Eine Menge Wasser - Von oben, von unten und von der Seite

Sonntag, 29.09.2013

Oh, schon wieder ist ewig viel Zeit vergangen und der versprochene Abschluss vom Blog lange überfällig. Nun färben sich die Blätter schon rot und es ist zu kalt zum draußen sitzen... Aber trotzdem werde ich meinen alternden Kopf noch einmal anstrengen und mich an einen weiteren, sehr sehr nassen Höhepunkt unserer wunderbaren Reise erinnern...

                                                                                    Puerto Iguazu 12.-15. 5.

 

Im warmen Cordoba in dem wunderbar angenehm klimatisierten Bus gehüpft, stand uns nun die absolut längste Busfahrt auf der ganzen Reise bevor: 22 Stunden. Schon gegen Abend fing es in Strömen an zu regnen, aber wir hatten ja noch ne Menge Kilometer vor uns, da kann sich ja noch viel ändern... Geändert hat sich nicht das Wetter, sondern unsere aufgekratze Stimmung. An unserem Platz direkt oben an der Frontscheibe regnete es nämlich rein... Trotzdem war das Buspersonal eifrig darauf bedacht, uns die Fahrt zu versüßen. Alle paar Stunden gab es eine dicke Tüte mit Keksen und Süßkram für jeden, außerdem Hähnchen in den Konsistenz von Haribo an leckerem Tütenkartoffelbrei. Das Hähnchen zerstörte unwiederbringlich jede Plastikgabel - Es hieß dann also: Finde die Plastikpiekser im Kartoffelbrei... Auf laaaangen Busfahrten nicht mal die schlechteste Beschäftigung.

Etwas nass und ziemlich müde kamen wir schließlich - mit plattgesessem Hintern in Puerto Iguazu an und wurden - wen überraschts, von strömendem Regen begrüßt. Ziemlich nass fanden wir schließlich, nachdem wir fast von einer reifen Avocado erschlagen wurden,  ein nettes kleines Hostel mit Außenküche, die bei anderem Wetter sicherlich auch ganz gemütlich gewesen wäre. Unsere nassen Sachen hängten wir vergeblich zum Trocknen auf, denn hier war alles nass - und getrocknet ist bei der hohen Luftfeuchtigkeit nix. Die Angaben zum Wetter der nächsten Tage waren unterschiedlich - Einheimische meinten lakonisch, wenn es hier einmal regnet hört es zehn Tage nicht wieder auf, Touristeninformanten waren da anderer Ansicht. Die Einheimischen sollten Recht behalten - es hörte nie auf - man konnte nicht einmal trocken zum nahegelegenen Supermarkt gelangen.

Egal, die Wasserfälle wollten wir trotzdem sehen. Also nix wie hin da, auch wenn man uns für die Busfahrten ne Menge Geld abknöpfte. Am ersten Tag hatten wir uns die brasilianische Seite vorgenommen. Die Einreise war vollkommen unspektakulär - lediglich ein Stempel mehr im Reisepass. In Brasilien angekommen wollte man natürlich wieder ne Menge Geld von uns... Und die komischen Tanten vom Nationalpark waren uns auch nicht gerade sympatisch mit ihrer merkwürdigen Sprache, die klingt wie knaaatschiges Polnisch mit spanischen Wörtern.

Als wir brav bezahlt hatten; geleitete man uns in einen der bereitstehenden Touristenbusse. Mit Lautsprecheranlage, ohne Fenster und allem drum und dran. Bei der Fahrt durch den Dschungel auf einer bestens ausgebauten Teerstraße erzählte man uns zuerst auf dieser knaatschigen Sprache, dann dankenswerter Weise auch noch einmal auf spanisch, von nicht sichtbaren Papageien, Affen und teuren Touristenvergnügungen mit dem klingenden Namen "Safari".

Endlich angekommen machten wir uns auf, den ausgetretenen Touristenpfaden zu folgen - und wurden drei mal entlohnt: Uns eröffnete sich ein Blick beeindruckender als der Vorige - ein riesiges Areal voll mit Wasser, kilometerbreit, meist über mehrere gewaltige Stufen in die Tiefe stürzend. Kleine, große, dichte, weiße, helle, grün schimmernde, wolkenbildende und schäumende Wasserfälle inmitten von grüner Natur und rötlichen Felsen (nur unterbrochen von kleinen, in weiße Regencapes gekleidete Touristen, die sich wie Ameisen in Schlangen durch die Landschaft bewegten). Als dann auch noch die Sonne einen einzelnen Strahl durch die Wolken schickte und der Wasserfall für kurze Zeit in allen Regenbogenfarben erstrahlte waren wir vollkommen von diesem Wunder überzeugt!

Begleitet wurden wir auf unserem Spaziergang von lustigen kleinen Tierchen mit gestreiftem Schwanz, Nasenbären mit Namen. Kackendreist (der eine hat sich von hinten angeschlichen und uns die, zum Glück leere, Brötchentüte aus der Hand gerissen) aber irgendwie doch putzig... Als dann zwei der kleinen Herren gleichzeitig in einem Doppelmülleimer verschwanden und oben lediglich die gestreiften Schwänze rausguckten, hatten sie unsere Herzen schon wieder erobert. Die Nasenbären waren nicht unsere einzige Begleitung, auch Schmetterlinge in allen Farben schwirrten um uns herum und setzten sich auch zutraulich auf Hände und Haare, um den Touristen als exotischer Schmuck zu dienen.

Viel zu schnell war unser kleiner Spaziergang auch schon wieder vorbei und ziemlich klitschpatschnass (von oben, von unten und von der Seite, der Wasserfall spritze nämlich gewaltig) machten wir uns auf den Rückweg... Wieder zuerst im Touristenbuss, in dem man natürlich nicht versäumte uns ein weiteres Mal über jeden teuren Spaß in Kenntnis zu setzten, dann über die Grenze und dann zu Fuß durch den strömenden Regen zurück zum Hostel. Dort bereiteten wir uns dann frierend ein leckeres Abendessen und glitten kurz darauf in unseren klammen Betten, sanft begleitet vom rauschenden Regen, in süße Träume.

Der nächste Tag war der argentinischen Seite der Wasserfälle gewidmet. Wieder wollte man Geld, dieses mal sogar noch mehr... Und wieder machte sich der horrende Eintritt bezahlt. Auf einer Menge verschiedener Rundwege konnte man die Wasserfälle noch einmal von oben, von unten, von hinten und von vorne bewundern und ihr beeindruckendes Rauschen hören... Von einem Rundweg zum anderen wurde man mit einer eher weniger originellen Touristenbimmelbahn gekarrt, so dass man sich dann auch in Bahnladungen über die schmalen Wege bewegte. Das enorme Menschenaufkommen tat der Schönheit der Natur aber keinen Abbruch. Nie vergessen werden wir den Moment, als der Nebelschleier am größten aller Wasserfälle sich einen Moment lichtete und man die gewaltigen Wassermassen in unglaubliche Tiefen stürzen sah... Da war´s mit einem mal vollkommen egal, dass man klitschnass wurde. Auf dem Rückweg in der kleinen Bimmelbahn sperrten wir die Augen weit auf, ob man wohl noch einen Affen oder zumindest einen Papageien zu Gesicht bekämen, hatten aber kein Glück. Enschädigt wurden wir von den kleinen Nasenbären, die ihre langen Riecher vorwitzig über den Rand der Bahn streckten, auf der Suche nach dummen Touristen, denen man Brötchentüten klauen kann.

Etwas erschöpft vom vielen Laufen und vom nicht enden wollenden Regen kamen wir schließlich wieder im Hostel an und freuten uns wahnsinnig, am nächsten Tag wieder in sonnigere Gefilde aufzubrechen - nämlich ins, für Sonne und Strand berühmte, Uruguay um endlich unsere Rucksäcke voller nasser Sachen zu trocknen.

Brasilien

Couchsurfing-Herberge "Zum fetten Polizisten"

Freitag, 07.06.2013

Nun sitz ich schon wieder im sonnigen Oldenburg auf meiner Terasse zwischen blühenden Blumen und zwitschernden Vögeln und unsere Begegnung mit dem fetten, (faschistischen?) Polizisten im herbstlichen Cordoba scheint Jahre zurück zu liegen... Deswegen ist sie es aber trotzdem wert, erzählt zu werden:

                                                                                        Cordoba, 9.-11. Mai

Die Nacht verbrachten wir mehr oder weniger schlafend im Bus. Um acht Uhr morgends standen wir dann schließlich am Busbahnhof von Cordoba. Nach dem obligatorischen Klogang (der war bei Ankunft in einer neuen Stadt fast schon zur Tradition geworden) machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu unserem Couchsurfer Marcos. 15 Quadras hatte der Gute gesagt, sei der Weg lang. Das ist nicht allzu viel (1,5 km) und auch mit Rucksäcken ganz gut zu schaffen. Es waren dann aber 25 Quadras... Da Cordoba auch im Herbst noch ein sehr gutes und sonniges Klima hat, kamen wir nicht allzu frisch vor dem hässlichen Hochhausbau an. Tausend Klingeln: Welche ist nun die Richtige? Während wir noch rätselten, kam eine SMS von Marcos, er hätte den Schlüssel um die Ecke auf einem Parkplatz hinterlegt. Auf einem Parkplatz? Mitten drauf? Auf dem Boden? Der Parkplatz war ein Parkhaus, und der Schlüssel beim Parkwächter hinterlegt... aber bis wir das heraus gefunden hatten, war eine ganze Zeit vergangen.

Dieses mal gabs sogar Salat im Bus.

Schließlich standen wir dann also in der Wohnung im sechsten Stock, nachdem wir mit dem vorsintflutlichen Fahrstuhl, dessen Funktionsweise wir erst begreifen mussten (zwei Türen musste man von Hand schließen), herauf gefahren waren. Schon merkwürdig, einfach so in irgend eine fremde Wohnung zu stapfen...

Frisch geduscht und in Begleitung einer weiteren Couchsurferin (Fieke aus Holland), die bei unserer Ankunft noch geschlafen hatte, machten wir uns eine Stunde später auf den Weg in die Stadt. Entlang am steingefassten und blumenbepflanzten Stadtrinnsal, das wie eine Oase inmitten von Hochhausschluchten und Abgasen wirkte, und durch eine von Lila blühenden Blumen überwucherte Fußgängerzone mit wunderschönen Altbauten (die besonders natürlich Tabeas Herz höher schlagen ließen). Unser erstes Ziel war ein Museum, das uns vor allem wegen des historischen Gebäudes interessierte. Die Ausstellung war eher grausam, hatte der Künstler sich doch auf die Fahne geschrieben, die Gräueltaten, die während der Militärdiktatur an Frauen begangen wurden, möglichst unverblühmt darzustellen. Etwas gedrückter Stimmung verließen wir also dieses erste Museum recht schnell wieder. Der Park, in dem wir die heißen Mittagsstunden fristen wollten, (obwohl es Herbst war hatten wir Temperaturen von über 30 Grad) war nicht viel mehr als ein von Autostraßen durchzogenes vertrocknetes Stück Gras. Wir kehrten also auch dieser "grünen Oase inmitten des stickigen Großstadlärms" (Zitat Reiseführer) schnell den Rücken und gönnten uns zum Mittag eine große Portion bestes argentinisches Eis. Bis wir der stark cordobesisch sprechenden Verkäuferin allerdings verständlich machen konnten, welche Sorten wir wollten, war die Schlange hinter uns gefährlich angewachsen. Cordobesisch klingt in etwa wie chilenisch nur weeeseeentliich geemüütlicher... Und vielleicht mit leichtem chinesischen Einschlag. Auf unsere in bestem argentinisch vorgebrachte Bestellung: Frutischa y Schogúrt por favor schaute sie uns nur ratlos an.. Sie verkaufte uns dann Fruutiiiiilla und Yooghuurt. ;)

Nach einem Abstecher durchs Antiquitäten-Viertel, das voll von niedlichen bunten Häusern ist, ging es dann wieder in Richtung Innenstadt. Auf dem Weg viel uns das Museum für Theater und Musik auf. Eintritt frei, also nix wie rein da. Der kleine, weißhaarige Museumsaufseher war sichtlich stolz auf sein Reich, das zwar nur aus zwei Räumen mit ein paar alten Musikinstrumenten und Ballett-Kostümen bestand, aber trotzdem einen ganz eigenen, düsteren Charme besaß...  Der kleine Museumswäter erzählte viel vom ältesten Theater in Südamerika und stellte uns schließlich in Aussicht, dass wir morgen das Theater einmal von innen bewundern dürften... Weil wir so interessiert waren. Mit dem Versprechen, morgen wieder zu kommen, mussten wir uns schon bald verabschieden, denn wir wollten uns noch ein bisschen Bildung in der städtischen Universität  abholen und vielleicht den ein oder anderen Blick auf einen hübschen cordobesischen Studenten erhaschen (die cordobesischen Männer werden als die schönsten im ganzen Land gehandelt). Die Führung vorbei an Jahrhundertealten jesuitischen Handschriften (Cordobas Uni ist die älteste im Land) hätten wir uns besser auf Spanisch angehört, da das Englisch des winzigen Führers so akzentgefärbt war, dass man kaum etwas verstand...Die Uni war allerdings wirlkich wunderschön (und man kann hier Psychologie studieren, was Tabea zu der Überlegung bewog, doch einfach hier her zu kommen), nicht so die cordobesischen Studenten. Wer auch immer auf die Idee kam, diese als die Schönsten des Landes zu bezeichnen, hat einen sehr anderen Geschmack als unsereins...

Tabeas zukünftige Uni!

Danach machten wir uns dann mit wundgelaufenen Füßen wieder auf den Rückweg zu dem Klotz, der für diese zwei Tage unsere Heimat war. Unser Host war immernoch nicht zu Hause. Als Mara schon halb in der Dusche stand, kam er dann auf einmal zur Tür herein... Mara natürlich wieder raus, man muss ja seinen Herrn Gastgeber auch begrüßen. Eine wirklich sehr gewichtige Erscheinung. Mit riesen großen Schweißflecken unter den blauen Polizistenhemdsärmeln und einem Kinn, das die Bewegung seiner Schritte eindrucksvoll umsetzte und hin und her schwabbelte, obwohl es doch eigentlich zwischen dem massigen Kopf und der noch massigeren Brust eingeklemmt hätte sein sollen. Aus dem breiten Mund brabbelten unablässig Witze, die aber als solche für uns nicht zu erkennen waren. Nach 10 Minuten vollkommen erschlagenem Schweigen unsererseits, nur unterbrochen von vorsichtigen Versuchen, seinen Redefluss zu unterberechen, hatte er uns dann als "schwierige, verklemmte Deutsche" abgestempelt, was er lautstark verkündete und mit einem bärigen Lachen als Scherz abtat. Na, das konnte ja was werden...

Kurze Zeit später quetschten wir uns dann in sein kleines Auto und fuhren zu einem riesigen Supermarkt. Als wir einen Anteil am Essen bezahlen wollten, reagierte das laufende Fass extrem eingeschnappt. Wieder waren wir total schwierig. Und so komisch... Immer diese Deutschen...

Als Herr Schwabbel-Officer dann erfuhr, dass Tabea Vegetarierin ist, hätte er sie fast hochkannt aus dem Haus geworfen... Erlaubte ihr dann aber doch, sich Spagetti mit Tomatensoße zu kochen.

Für uns anderen gab es Fleisch... Natürlich, er isst nie was anderes. Mit schöner Käse-Sahne-Soße... Den Salat gab es nur, weil wir darum baten.. Dieser Mensch scheint seinen Bauch bzw. sein Kinn regelrecht zu züchten. Vielleicht möchte er der erste Mensch auf der Welt sein, der mit seinem Kinn den Boden wischen kann?

Nach dem Essen quartierte er kurzerhand die andere Cocuhsurferin zu seiner Freundin aus, damit wir Platz hätten. Bevor die beiden mit dem Auto davon düsten, erklärte er uns noch lang und breit, dass er, wenn er wieder käme, die Laken wechseln würde..

Wir kämpften also gegen unsere schweren Augenlieder (immerhin hatten wir die Nacht davor im Bus verbracht) und warteten auf seine Rückkehr. Als er dann wieder kam, eröffnete er uns, Fieke hätte ihm gerade eben gesagt, sie habe die Laken schon gewechselt. Als wir das kleine stickige Zimmer mit Raumbedufter (Mara hätte fast gekotzt, bei dem Geruch) betraten, war aber sehr deutlich, dass die Laken nicht gewechselt worden waren... Nach dieser Lüge schwand also das bisschen Vertrauen, das sich trotz aller Großkotzigkeit aufgebaut hatte, wieder. Unsere Wertsachen schliefen in dieser Nacht unter unseren Köpfen.

Am nächsten Tag standen wir erst dann auf, als wir die Tür zu klappen hörten. Wir schlenderten ein weiteres Mal durch die schattige Fußgängerzone, machten es uns auf dem Platz bequem und redeten lange und ausgiebig. Wir besuchten ein weiteres Museum, dessen Gebäude wieder einmal spannender war als die Ausstellung darin und klapperten ein paar Lädchen und Ecken, die der Lonely-Planet auf seine amerikanisch überschäumende Art als sehenswert bezeichnet hatte ab. Und wir suchten natürlich noch einmal unseren kleinen, weißharigen Freund vom Museum wieder auf. Wir bekamen auch tatsächlich die versprochene inoffizielle Führung durch ein wirklich sehr hübsches Theater. Der Redefluss des kleinen Musikprofessors stoppte nie, und am Ende dieses Tages wussten wir dann, dass es sich bei diesem Menschen selbst um einen leider eher weniger erfolgreichen Komponisten handelt, der deswegen in diesem kleinen, dunklen Museum arbeiten muss... Nach einer guten Stunde konnten wir uns dann endlich von diesem überaus netten, aber sehr redefreudigen Professor loseisen...  Und wagten uns dann schließlich wieder in die Höhle des Walrosses.

Das Theater Ein eher uninteressantes Museum - aber ein wunderschöner Altbau

Für diesen Abend hatte er eine Couchsurfer-Party angesetzt. Er ging also einkaufen und kam mit riesigen Felischbergen zurück, die er in seiner winzigen Küche zubereitete. Man fragt sich, wie er das bewekstelligen konnte, denn die sowieso schon kleine Küche war mit Backblechen, auf denen festgetrochneter Nudelauflauf klebte und dreckigem Geschirr übersäht. Am Ende der Küche befand sich ein Raum, den wir auf keinen Fall betreten sollten... Dieser Mann wurde uns mit jeder Minute suspekter. Als er Mara dann auch noch vertraulich fragte, ob es in Deutschland wohl nicht normal sei, dass ein 35-jähriger mit einer 19-jährigen was anfängt, wäre sie fast geflohen. Glücklicherweise war diese 19-jährige nicht Mara, sondern eine andere Deutsche, mit der er schon seit ein paar Wochen was am Laufen hatte... Man fragt sich: "Wie kann die nur?"

Nach einem reichhaltigen Essen (Fleisch mit Sahnesoße, wie kann es anders sein) konnten wir kaum noch die Augen offen halten (Marcos isst gewöhnlich gegen halb zwölf) und zogen uns trotz des Lärms von sämtlichen Cocuhsurfern der Stadt ins Bett zurück. Wir waren sehr froh, dass wir am nächsten Morgen schon sehr früh aufstehen mussten, um unseren Bus zu erreichen. Obwohl wir uns schon bei Sonnenaufgang aus den Betten quälten, hätten wir den dann doch noch fast verpasst... Aber da man ja hier nicht in Deutschland ist, durften wir auch fünf Minuten vor Abfahrt noch rein hüpfen (eigentlich muss man bei so lagen Strecken 15 min vorher da sein). Glück gehabt!!

 

 

En casa

Montag, 20.05.2013

                                                                                                             Olavarria, 30.4.-8.5 

Bis jetzt hatten wir immer nur die schrecklichen Geschichten ueber ausgeraubte Mochileros (Backpacker) gehoert, jetzt, nach vier Monaten, waren wir dann auch mal an der Reihe: Maras Rucksack war beim Ausstieg geoeffnet und was fehlte war ihr geliebtes Reise-Tagebuch mit all den schoenen Erinnerungen in der zugehoerigen Tasche, die ein bisschen Aehnlichkeit mit einer Brieftasche hat...  :(. Ein bisschen Genugtuung verschaffte allerdings die Tatsache, dass der Dieb mit einem deutschen Tagebuch reichlich wenig anfangen kann, aber traurig ists trotzdem. 

So wusste Mara nicht recht, ob Lachen oder Weinen, als uns ein ueber beide Wangen strahlender Franco engegen kam. Letztendlich ueberwog dann noch die Freude ueber das Wiedersehen! Die Familie klemmte sich auch sogleich dahinter, der Busgesellschaft ordentlich Druck zu machen, damit das Tagebuch wieder auftaucht. :). 

Vor der Tuer des kleinen Lebensmittelladens stand schon eine ebenso strahlende Meli bereit uns in die Arme zu schliessen. Als wir durch die Tuer traten, schlug uns der schon so vertraute Geruch nach Gemuetlichkeit entgegen und es fuehlte sich an, wie ein verfruehtes nach Hause kommen. Franco und sein  Bruder raeumten trotz Protest wieder ihr Zimmer fuer uns und es fuehlte sich an, als waeren wir nie weg gewesen. Ausser, dass wir uns nun ein bisschen besser verstaendigen konnten. 

Da wir einen straffen Zeitplan fuer den letzten Monat hatten, wollten wir nur drei Naechte bleiben... Nein, eigentlich laenger, aber was nicht geht, das geht nicht. Oder doch? Die Busfahrer der Langstreckenbusse taten uns einen Gefallen: Sie streikten. Nun gab es nicht mal mehr die Moeglichkeit weiter zu kommen. Letztendlich "mussten" wir wieder eine ganze Woche mit dieser wundervollen Familie verbringen. :) :) :)

Eine Woche, die mal wieder ebenso wundervoll wurde wie die Familie selbst! Am zweiten Tag gings auf die Feier von irgendeinem Kumpel von Franco. Jede Menge Sportstudenten in Jogginghosen (die scheinen hier nie was anderes zu tragen), eine Art Aerobic-Session vor Youtube-Videos (Maccarena etc.), erstaunlich wenig Alkohol und erstaunlich viel Spass. Gleich am naechsten Abend dann mit Meli zum Rockkonzert zum 1. Mai, in eine Haschisch verqualmte Turnhalle voller schwitzender Pogotaenzer (also genau wie bei uns :D).

Vorbereitung

Auch die Tage waren gut angefuellt. Franco nahm uns mit zum Deutschunterricht in die nahegelegene deutsche Kolonie, die ziemlich argentinisch aussieht, auch wenn es dort einmal im Jahr Eisbein mit Sauerkraut und Kartoffelbrei zu essen gibt und die Menschen sich in Trachten werfen, die in Deutschland keiner mehr kennt. Francos Deutschlehrerin ist ziemlich witzig - eine spindelduerre Frau Anfang sechzig, die schlechter Deutsch spricht als wir Spanisch. Und Franco ist ihr weit vorraus. Aber weils Spass macht, faehrt er trotzdem einmal die Woche zum Unterricht. Die Dame hat sich dann auch sehr ueber unseren Besuch gefreut, das Museum gezeigt, einen Kuchen hervorgezaubert und froehlich (auf Spanisch!) mit uns palavert. Sowieso wurde in dieser Deutschstunde erstaunlich wenig Deutsch gesprochen. Man kommt eher zum Mate trinken, der Deutschunterricht ist Nebensache. :D

Am Samstag ist Gruppenstunde bei den Pfadfindern. Waehrend Tabea mit Francos Eltern zum Remate ging - einer Art Versteigerung mit Flohmarkt, wo von gebrauchten Moebeln bis zu ebenfalls uralten und gebrauchten! Kloschuesseln scheinbar alles angeboten wurde, was man bei uns hoechstens noch auf dem Sperrmuell findet - und den Opa im Tejo (so was wie Boule) besiegte ( was allgemeine Begeisterung ausloeste, der Opa sei nicht leicht zu besiegen), lernte Mara die hiesigen Woelflinge kennen. Eine wilde Bande von 20 lauten Jungs, die aehnlich viel Bloedsinn im Kopf haben wie Maras eigene Woelflinge. Akela schlug dann auch gleich einen Austausch vor: Sie wuerde Maras deutsche Meute nehmen, Mara sollte sich mit ihren Wildlingen plagen. :D. Am Anfang stand eine kleine Versprechensfeier. Feierlich wurden die Wildlinge in den Kreis der Woelflinge aufgenommen. Wenn auch ganz anders als in Deutschland, die Idee bleibt die gleiche. Dann rannte die ganze Gruppe in den Park und bei Spielen ganz aehnlich denene daheim, konnte der ueberschaeumenden Energie ein bisschen Luft gemacht werden. Dann gings zu Saft und Keksen zurueck in die Woelflingshoehle (die im uebrigen genauso riecht wie alle Pfadfindergruppenraeume auf der Welt). In unbeschreiblicher Geschwindigkeit und mit unbeschreiblichem Lautstaerkepegel wurde alles verputzt. Nach der Abschlussrunde (in der jede Gruppe ihren festen Platz hat) und dem Schlachtruf, wurde die wilde Bande dann wieder fein saeuberlich auf die entsprechenden Elternhaeuser verteilt... 

 Remate Tejo Woelfling mit Totem waehrend der Versprechensfeier

Am Abend erschienen die Grosseltern zum Asado (Grillen) und spielten mit uns ein hiesiges Kartenspiel, doch weil man uns bis zum Schluss nicht so ganz die komplexe Punktzaehlweise erklaeren konnte, wurde uns jeder Spielzug vorgesagt :D. 

Am Sonntag nahm sich der Vater Zeit, uns die Gegend zu zeigen und Meli auf ihrem Pfadfinderinnenlager zu besuchen. (Scouts und Guides sind hier noch getrennt). Man hiess uns mit Gesang willkommen und nach kurzer Zeit war Mara umringt von neugieren Maedchen, die lernen wollten wie man "Allzeit Bereit" auf Deutsch sagt und begeistert waren, dass Kleblatt im VCP-Zeichen zu entdecken. 

Weil Tabea die komische Pfadfinder-Sekte fuerchtet ;) ging es nach einer halben Stunde weiter mit der Rundfahrt. Wir picknickten auf einem Huegel, der so niedrig ist, das er auch in Norddeutschland stehen koennte ( ja, hier ists genauso flach wie zu Hause) und sahen uns dann die immense Betonfabrik an, der ganze Stolz der Olavarrianer.

Am Montag spielte Boca gegen River und wir bekamen zum ersten Mal mit, wie Freunde beim Fussball auf einmal zu Erzfeinden werden. Francos sonst so ruhiger und sanftmuetiger Vater (River) stichelte auf einmal los wie nichts gutes und geriet fast ernsthaft mit Francos Freund (Boca) aneinander. Nach dem Spiel waren sie aber wieder die allerbesten Freunde.

Es folgte ein argentnisches Ritual, das wir sehr zu schaetzen gelernt haben. Mit Mate und Freunden machten wir es uns auf der Plaza gemuetlich - das werden wir sehr vermissen in Deutschland.

Auf dem Rueckweg mussten wir Franco mit vereinten Kraeften davon ueberzeugen, dass er sehr gut Deutsch spricht und das ruhig wieder tun kann, denn er war der Meinung, schon wieder alles verlernt zu haben. Bei der Gelgenheit lernte dann auch Meli Satze wie "Ich will dich kuessen!" "Wo gibt es heisse Kerle?" und "Ich liebe dich". (Auf ihren Wunsch hin wohlgemerkt). 

Mitten in der Woche und mitten am Tag (in Deutschland ziemlich undenkbar) traf sich die ganze Familie zum Geburtstagsgrillen bei Francos Onkel. Und ganz selbstversaendlich wurden wir ins Auto gepackt und mitgenommen! Die Menschen hier sind so lieb!

Der Streik neigte sich dem Ende zu, und so langsam bereiteten wir unsere Abfahrt vor. Meli und Mara ernannten die Borras zur koeniglichen Familie Argentiniens, Franco und Ramiro demnach zu Prinzen, Meli zur Prinzessin. Tabea sollte in die koenigliche Familie einheiraten, (Prinz Franco) damit wir nie wieder weg gehen muessten... Leider kamen Melis und Maras vereinte Verkupplungsversuche zu keinem rechten Ergebniss und wir zogen schliesslich doch wieder weiter. 

Vorher beglueckten wir die koenigliche Familie jedoch noch mit Kartoffelgratin, Francos geliebtem Pflaumenkuchen und einem grossen kitschigen Blumenstrauss in rosa Papier mit lila Schleife (den sie tatsaechlich schoen zu finden schienen). Der Abschied kam trotz Busstreik viel zu schnell. Unter Winken und muehsam unterdrueckten Traenen fuhren wir dann aber letztendlich aus der Stadt heraus. Das feste Versprechen auf den Lippen, einmal wieder zu kommen!

der Name der Region: Pampas... ;-) ausgezeichnet! Zahnpastawerbung ...is Olavarria

Orcas sind keine Wale

Sonntag, 28.04.2013

                                                                                                  Puerto Madryn 14.4.-29.4.

"Orcas sind keine Wale, Orcas sind Delfine!"

"Neiin, echt? Aber das kann doch nicht sein, Delfine fressen keine Baby-Seerobben!!"

"Tun sie doch, ich habs doch gesehen!"

So sah nicht selten die Fruehstuecks-Konversation im Hostal Hi Patagonia aus, unserem Zuhause der lezten zwei Wochen.. Aber fangen wir am Anfang an, denn erst einmal mussten wir ja dort ankommen..

Muede wie wir waren wurden wir direkt mit einem grossen Teller Garnelen empfangen und danach in ein Doppelzimmer verfrachtet, wir sollten erst einmal ausschlafen!  So laesst es sich doch leben. Am naechsten Morgen lernten wir dann unseren Chef kennen: Das Laecheln ist breiter als der Mann hoch ist und das Mundwerk steht nie still (ausser wenn er gerade grinst, natuerlich). Kein Wunder, dass dieses Hostel den Staff-Award von Hostelworld und saemtliche andere Auszeichnungen absahnt ("Best Hostel of Latin America 2008" u.a.).

Arbeit? Das Wort ist hier verpoehnt, wir sind an einem Ort wo die Leute Ferien machen... Unsere erste Lektion bestand in einem fuenfzehnminuetigen Vortrag darueber, dass man hier vor allem Laecheln und weniger arbeiten sollte - kein Ding, denn die Gaeste und die anderen Freiwilligen waren nett, und zwei Wochen Urlaub fuer umsonst - da sagt  man doch nicht nein...

Ganz ohne Arbeit gings dann doch nicht, aber ab und zu mal Geschirr abwaschen, Waesche aufhaengen oder Klopapier nachfuellen - das war mit vier Freiwilligen ganz gut zu schaffen. 

Allerdings blieb das nicht die ganze Zeit so. Schon ziemlich am Anfang ueberredete Gaston (unser Chef) uns, die Cocktail-Bar wieder zum  Laufen zu bringen - aber mit eigenem Kapital. Nach langem hin und her entschieden wir uns dann, es zu wagen... Und da wir ein paar Flaschen Rum, Cachaca und  Fernet als Startkapital hatten, machten wir sogar ganze zehn Euro Gewinn damit... Auch wenn das ein auesserst duerftiger Stundenlohn war, wars den Spass doch Wert, denn die ersten Tage, als die Temperaturen noch stimmten, lief unsere Bar sogar ganz gut - und Maras Cocktails wurden hoch gelobt.

Arbeit... ;)

Nach einer Woche dann die Ueberraschung: "El chico de la noche" wuerde nicht mehr kommen, das heisst die Verantwortung fuer die Rezeption lag nun ueber Nacht in unserer Hand, ebenso die Fruehstuecksvorbereitung. Das hiess auf gut Deutsch: Einer musste immer wach bleiben bis alle Gaeste wieder da waren (und die gehen hier gern mal feiern) und einer morgends um sechs aufstehen, Broetchen holen und Kaffee kochen. Da waren wir dann doch ganz froh, dass die Arbeit sich am Tag eher in Grenzen hielt und man zwischendurch auch mal ein Nickerchen am Strand einbauen konnte.

exakt abgezirkelt.. .wenn nur eins der tausend Messer falsch liegt, gibts Schelte! Um sechs Uhr morgends sind die Strassen hier noch verwaist

Dort verbrachten wir auch jede Menge Zeit, denn er liegt direkt vor der Haustuer und auf dem Weg dorthin gibt es das beste Eis von Welt! Sorten wie "Weisse Schokolade mit Minze" sowie "Dulce de leche mit Mandeln in Schokolade" machten das Urlaubsfeeling komplett. Wenn man morgends um sechs als einzige auf der Strasse war um Broetchen zu holen, dann konnte man mit etwas Glueck die Wale roehren hoeren, die es hier ziemlich reichlich gibt.  Allerdings nur in der Saison, und die hat noch nicht angefangen, deswegen haben wir sie leider nie gesehen...

Baden verboten - in Argentinien heisst das: Hier muss ich unbedingt baden! Abend am Strand

Aber Delfine bekamen wir zu Gesicht - Tabea die richtigen, Mara die Orcas...

Gleich am ersten Tag nutzte Tabea die Moeglichkeit, die Lieblingstiere ihrer Kindheit endlich einmal aus naechster Naehe zu sehen. Gemeinsam mit drei anderen Hostelgaesten machte sie sich auf dem Weg zum Strand, wo schon das riesige Schlauchboot bereit stand. Dort musste man dann seine Passnummer in eine Liste eintragen - gluecklicherweise nehmen die Argentiner das aber nicht so genau: "Wenn du deine Nummer nicht weisst, denk dir einfach eine aehnliche aus."  

Und dann ging los aufs offene Meer auf der Suche nach den Delfinen. Nach einer Weile sahen wir dann auch die ersten: Sie schwammen auf allen Seiten ums und unter dem Boot herum - teilweise so nah, dass man nur die Hand haette ausstrecken muessen! - und vollfuehrten ihre wunderschoenen Spruenge, teilweise zu zweit und perfekt synchron. Am Ende hatten wir ueber fuenf verschiedene Delfinfamilien und unzaehlige Seeloewen gesehen.  Wir wollten natuerlich alle moeglichst viele schoene Fotos machen, doch die Delfine waren einfach zu schnell... Aber gluecklicherweise kamen die Schweizer auf die Idee, sich zu viert eine CD des Profiphotographen, der die Tour begleitete, zu kaufen. 

Captain Tabea Die erfolgreichen Delfinbeobachter aus dem Hostel

Mara schloss sich zwei Schweizern und einer Waliserin an, die zur Halbinsel fuhren - und sie hatte grosses Glueck, dass nicht allen vergoennt ist - die Orcas zeigten sich tatsaechlich an diesem Tag. Allerdings erst nach ein paar Stunden geduldigen Wartens. Aber dann richtig: Riesige schwarz-weisse Viecher liessen sich an den Strand spuelen, um sich dann dort einen Baby-Seeloewen zu fangen... Das arme Tier wurde dann erst ordentlich bespielt und in die Luft geschleudert, bevor es dem groessten Orca als Mittagessen diente... Ein beeindrucktendes Schauspiel, wenn mir auch die Baby-Robbe ein bisschen leid tat. Die watscheln naemlich herzerweichend suess ueber den Strand und wackeln dabei mit ihrem Hinterteil Wenn es etwas schneller gehen soll, weil Mama mit einem ziemlich lauten Roehren gerufen hat, dann schwingen sie ihr Hinterteil in die Luft und "gallopieren" erstaunlich schnell... Zu putzig! Mindestens genauso mitleiderregend wie die gefressene Baby-Robbe war auch der einsame Pinguin, der am Strand stand. Normalerweise haben Pinguine eine Partner fuers ganze Leben und leben in Kolonien - nur dieser arme Bursche war wohl vergessen worden...

Alte Hoehlen am Strand von Puerto Piramides Auf dem Rueckweg dann der WSpektakulaere Sonnenuntergang - und jede Menge Guanakos und Nandus, die nur widerwillig die Strasse raeumten... So eins ist uns leider nicht ueber den Weg gesprungen ;)..

Die Wartezeit auf die Orcas hatte uns ein Guerteltier vertrieben, das sich aehnlich dressieren liess wie ein Hund und fuer ein Stueck Empanada Maennchen machte, wie wir bald heraus fanden.. :D.

Was ist denn das?

Der Tag wurde wunderschoen, wenn auch Mara nicht wie erhofft ein Mara traf... Die gibt es hier zwar viel, sind aber auch sehr scheu...

Ein paar Tage spaeter fiel uns im Hostel fast die Decke auf den Kopf - wir mussten mal wieder raus. Gaston war schnell einverstanden und so beschlossen wir einen Tag nach Gaiman, die walisische Kolonie zu fahren - da wir ja sparsam sind per Anhalter... Gluecklicherweise, denn so machten wir eine erstaunliche Bekanntschaft. Gaiman selbst war nicht allzu spannend und eher argentinisch als walisisch. Das einzig walisische waren die Teestuben, wo man fuer 20 Euro Tee trinken konnte...  Preise, die genauso gut nach Wales passen wie die Teestuben. Das einzig spannende war der alte 300m lange und stockduestere  Eisenbahntunnel. Aus Furcht vor einem Ueberfall trauten wir uns allerdings doch nicht hindurchzugehen. Tabea wollte es trotz aller Bedenken wagen, aber alleine die ersten 50m Meter hatten ihr schon einen ordentlichen Adrenalinschock eingejagt...

Den ersten Teil der des Rueckwegs hatten wir schon hinter uns gebracht, jetzt versuchten wir unser Glueck an einer Tankstelle. Die Angestellten waren uns auch gern behilflich und nach drei Minuten hatten wir unsere Mitfahrgelegenheit. Bei einem Arzt und Pferdezuechter von etwa 75 Jahren. Ricardo hat eine Tochter, die in Berlin wohnt und ist auch sonst sehr interessiert an Deutschland, besonders an Niedersachsen, denn er zuechtet Oldenburger und Hannoveraner und war auch schon auf den Landgestueten in Celle und Verden... Die Freude war gross, als wir erzaehlten, dass wir aus der Heimatstadt seiner Pferde kaemen. Weil er mehr wissen wollte ueber Oldenburg und Deutschland lud er uns zum Essen ein. Ein paar Tage spaeter holte er uns dann im Hostel ab, kurvte ein bisschen durch die Stadt bis er ein Restaurant fand, wo man ihn kannte (der Service sei dann besser) und spendierte uns ein superleckeres Fischessen. Wir hatten einen sehr netten Abend und kamen alle zu dem Schluss, dass Generationen-Unterschiede kein Hindernis sind, nette Menschen kennen zu lernen. Wenn Ricardo das naechste mal seine Tochter besucht, moechte er auch in Oldenburg vorbei schauen und uns endlich seine Frau vorstellen, die momentan leider ihren kranken Vater besuchte. Wir freuen uns auf seinen Besuch!

Eine weitere Massnahme gegen das "Decke auf den Kopf fallen" war unser Strandspaziergang zum Walmuseum, um endlich mal ein bisschen mehr ueber die reiche Meereswelt vor der Haustuer zu erfahren. Auf dem Rueckweg durften wir einen spektakulaeren Sonnenuntergang bestaunen, zusammen mit jeder Menge Argentiniern, die diesen aus ihren Autos heraus und Mate schluerfend beobachten. Kaum einer stieg aus um die frische Abendluft zu geniessen... Ohne Mate war kein Einziger unterwegs!

Nun bin ich schon fast am Ende unserer zwei Wochen angelangt, aber so mancher Hostel-Gast verdient doch auch noch mal einer naeheren Beschreibung: Auf der einen Seite gibt es die netten, ruhigen. Die sind hier recht haeufig. Meist Paerchen aus Oesterreich oder Sueddeutschland. Dann gibt es die Tussen, (meist aus den USA oder Australien) die tagsueber nur Avocado und Salat essen, mehrmals taeglich das Outfit wechseln und sich mindestens genauso oft ueber ihre Figur beschweren. Diese Art von Gast stuerzt sich abends aber besonders auf die suessen Cocktails. Dann gibt es natuerlich auch noch einige, die sich in keine Kategorie einordnen lassen. Darunter fielen z.B. zwei schweizer Maedels unseren Jahrgangs, mit denen wir groessten Spass dabei hatten, die Bravo-Hits 26, die kleinen Suenden unserer fruehen Jugend, rauf und runter zu singen (Ketchup-Song eingeschlossen). Ebenso in diese Kategorie faellt Mr. McNugget. Der Mensch war Barkeeper in Mendoza, kommt aber auch aus den USA.  Er ernaehrt sich lediglich von Chicken Wings (fuer die er jeden Abend den Grill anschmeisst) und Bier. Unsere Bar wollte er mit sogenannten Body-Shots aufpeppen, aber Tabea weigerte sich standhaft, sich auf die Bar zu legen, damit er ihr den Tequila aus dem Bauchnabel schluerfen koennte... So ein Pech :D...

Das sind natuerlich nur einige wenige unserer Gaeste, denn wir haben so viele nette Menschen kennen gelernt, dass sie sich hier unmoeglich alle beschreiben lassen...

Am letzten Abend im Hostel auf einmal die Ueberraschung: Ricardo stand vor der Tuer, um zumindest noch einmal Tschuess zu sagen, auch wenn er nur fuenf Minuten Zeit hatte und direkt von der Arbeit kam, er wollte sich doch zumindest noch vernuenftig verabschieden. Mit ziemlich guter Laune ueber so viele nette Menschen konnten wir also unsere Reise zu den allernettesten in ganz Suedamerika antreten,  den "Francos" in Olavarria...

Und das ist also patagonischer Herbst... Diese Erfindung fand unser Chef leider nicht so toll... Wir schon, denn Waescheleinen sind extrem knapp hier... Factuuuras... Wie werdne wir die in Deutschland vermissen. Das dutzend kostet hier zwischen 3 und 5 Euro.. Auch Tabea ist inzwischen vollstens von diesem Produkt ueberzeugt! Ich mag die argentinischen Linksaktivisten: 33 Strassenschilder haben sie uebergesprueht. Nun heisst die Strasse nicht mehr nach dem Militaer, der sie umgebracht hat, sondern nach den Ureinwohnern selbst. Es gibt hier doch tatsaechlich Schluessel aus Plastik...

 

 

Odyssee durch Patagonien

Sonntag, 28.04.2013

 

                                                                                         Irgendwo in Patagonien 13.-14.4.

Da wir uns auf dem Weg eigentlich noch ein paar riesige versteinerte Baeume anschauen wollten, buchten wir unseren Bus erst einmal bis zur naechsten Stadt in der Naehe der Baeume. Dieser Bus fuhr wie gesagt um 3:45 Uhr morgends ab. Die Ruta 40 entlang. Die Menschen, die diese Strasse gefahren sind, kleben sich zu Recht den Aufkleber wie eine Trophaee an ihr Auto, denn wer diese Strasse je entlang gemeistert hat, kann danach zumindest Reifen wechseln und hat vermutlich sehr starke Nerven bekommen. So spektakulaer wie man ihrer Bekanntheit nach erst einmal vermuten wuerde, ist diese Strasse gar nicht. Eigentlich geht es die ganze Zeit nur durch patagonische Steppe. Flaches, nur kniehoch bewachsenen Land. Sie verdankt ihre Beruehmtheit lediglich ihrem schlechten Zustand - klingt paradox, ist aber so. Der Zustand ist wirklich legendaer. Eigentlich faehrt man die ganze Zeit nur auf der Umleitung, weil die Hauptstrasse, die sogar geteert ist, groesstenteils gesperrt ist. Die Umleitung ist aber noch nicht einmal geschottert, man hat lediglich die Pflanzen zur Seite geschoben und ein Stueck Boden planiert. In Serpentinen (manchmal hat die Steppe naemlich unerwartet tiefe Einschnitte) geht es also die meiste Zeit durch reinen Sand und ueber Stock und Stein voran. Alle paar hundert Kilomter steht mal ein einsames Hotel, denn in einem Tag schafft diese Strasse keiner. Unter Patagonienreisenden gilt sie als eine Art Challenge, man kann sogar Gelaendewagen mieten um dann damit ein paar Tage durchs Nichts zu gurken, die meisten bevorzugen allerdings den T1.

Das versprochene Fruehstueck kam natuerlich nicht... Auf Nachfrage erwaehnte man, dass es statt Fruehstueck heute Abendessen geben wuerde... Ach ja? Wir hatten aber jetzt Hunger. Und ausserdem wollten wir den Bus schon mittags verlassen... Aber naja, so sind sie nun mal die Suedamerikaner - wenn nicht jetzt, dann halt spaeter. Und sie haben ja auch ihre guten Seiten - wie wir kurz darauf fest stellen durften. Die Busbegleiter waren uns naemlich eine sehr grosse Hilfe, als wir nach den Anschlussbussen fragten. Sie zogen Erkundigungen ein und haetten uns sogar fuer lau noch zwoelf weitere Stunden im Bus mitgenommen, weil von dort aus dann etwas nach Sarmiento fahren sollte... Aber zwoelf Stunden gen Norden, wenn unser Ziel im Osten lag und wir nur noch drei Stunden davon  entfernt waren? Das passte nicht in unsere deutsche Logik...

Wir stiegen dann doch an unserem urspruenglichen Ziel aus. Direkt faehrt natuerlich kein Bus von  hier nach Sarmiento zu den Baeumen - ist ja Nebensaison... Seit zwei Tagen! Aber mit einmal umsteigen sollte das gehen - laut Busfahrer.  Wir mussten also von Perito Moreno aus nach Comodoro Rivadivia fahren, weitere sechs Stunden - und von da aus dann wieder drei Stunden den gleichen Weg zurueck nach Sarmiento. Kommt ihr noch mit? Nein? Wir auch nicht!

Der naechste Bus nach Comodoro fuhr dann auch erst zwoelf Stunden spaeter - Also stand uns eine halbe Nacht am Busbahnof bevor. Immerhin hatte der Mann am Schalter uns garantiert, dass wir bis drei Uhr nachts im Terminal bleiben koennten. Zumindest hatten wir so einen geheizten Aufenthaltsraum - dachten wir. Stunde um Stunde brachten wir muehsam herum und lasen jeweils fast ein ganzes Buch durch. Um kurz nach elf dann die unschoene Ueberraschung - eine Dame fortgeschrittenen Alters wies uns mit heruntergezogenen Mundwinkeln darauf hin, dass das Uebernachten im Busbahnof verboten sei  (wir hatten bis dahin noch nicht mal ne Iso ausgerollt, sondern sassen brav auf den Stuehlen). Wir sagten ihr, dass wir ja auch nicht uebernachten, sondern auf unseren Bus um drei Uhr warten wuerden. Das liess sie nicht gelten und setzte uns vor die Tuer - wo die Temperaturen aehnlich eisig waren wie das Wesen dieser Frau. (Zum Glueck liess uns ein andere lieber Mensch nach ner Stunde wieder herein.) Ob die Gute wohl deutsche Vorfahren hat ?  ;) Die Menschen hier sind doch sonst nicht so!

Den Nachmittag hatten wir uns damit vertrieben, unsere mobile Kueche wieder aufzufuellen.  Auch das war nicht so einfach, denn die Supermaerkte machen hier bis sechs Siesta - aber da "sechs" ja nicht wie in Deutschland "sechs" bedeutet, sondern "halb sieben" stand Mara dann eine halbe Stunde mit griesgraemigen Mitkunden vor der verschlossenen Supermarkttuer. Die Menschen in diesem Kaff sind so ganz anders als der Rest der Patagonier.

Unsere mobile Kueche verdient so langsam auch mal einer naeheren Beschreibung, denn sie hat sich beachtlich weiter entwickelt. In Buenos Aires bestand sie erst einmal nur aus Brot und Marmelade. In Chile kam dann nach und nach Kaese, Butter und irgendwann auch mal eine Tomate hinzu. So ging es weiter und inzwischen besitzen wir einen "Gewuerzschrank" mit Curry, Pfeffer, Salz, Oregano, Pizzagewuerz und frischem Knoblauch. Des weiteren Tee, Kaffee, Zucker und Mayo, Olivenoel, Haferflocken, meistens Obst und manchmal Kekse. (Wobei letztere nie lange halten). Man kann nicht behaupten, wir waeren schlecht ausgestattet... :) Ist aber auch notwendig, weil man sich ja wie gesagt auf die Verpflegung im Bus nicht so recht verlassen kann.. Und Legenden besagen, dass in der patagonischen Steppe schon so mancher verhungert sei! Das wird uns nie passieren Zwinkernd!

Zurueck zum Thema:

In Comodoro beschlossen wir ziemlich schell, dass wir die Baeume auslassen, denn wie ihr vermutlich schon ganz richtig vermutet - so langsam funktionierte unsere Wahrnehmung nur noch eingeschraenkt und alles wonach wir uns sehnten, war ein Bett. Wir brachten also halb schlafend, halb essend einen weiteren mehrstuendigen Aufenthalt am Busbahnhof herum. Beim Essen halb zu schlafen hat den Nachteil, dass man nicht mehr an alles denkt. Und so verschwand das einzige verbliebene Taschenmesser. Tabea fragte am Info - Schalter, woraufhin die Frau eine Durchsage durchs Terminal startete Verlegen... Keine fuenf Minuten spaeter erschien ein Mann mit nem Brotmesser, das er uns trotz Protest schenkteLächelnd. Oh, was sind sie lieb, die Argentinier. Sobald wir das dann hatten, tauchte das Taschenmesser wieder auf - und ratet wo... In Maras Jackentasche! AehemmVerlegen. Nach dieser Episode schleppten wir uns in den letzten Bus und schliefen sofort tief und fest ein, sodass wir fast unseren Ausstieg in Puerto Madryn verpassten...

42 Stunden nachdem wir aus El Chalten aufgebrochen waren, standen wir dann endlich vorm Hostel Hi Patagonia...

 

Eingeklemmte Nerven und Bettwanzen

Freitag, 26.04.2013

 

                                                                                             El Calafate/El Chalten 5.-13.4.

Wir waren ziemliche gluecklich, dass wir endlich ausreisen konnten und fest davon ueberzeugt, dass sich jetzt alles zum Guten wenden wuerde...

Voller Elan machten wir uns also wieder auf den Weg nach Puerto Natales, denn nur von hier fahren Busse ins argentinische El Calafate. Jedoch schon auf dem Weg zur Strasse lernten wir, dass man sich nicht zu frueh freuen darf: Mara klemmte sich beim Absetzen vom Rucksack irgendwas im Ruecken ein und war demnach erst mal Bewegungsunfaehig. Der Plan zu trampen war damit auch gestorben... Tabea schleppte nacheinander beide Rucksaecke zum Busbahnhof - in Rekordtempo, und Mara humpelte unter Schmerztabletten hinterher, denn noch laenger in dieser Stadt bleiben - kam nicht in Frage! In Puerto Natales angekommen ging es dann so weiter: Tabea schleppte nacheineander beide Rucksaecke von A nach B - Mara stand hilflos daneben. Natuerlich fuhren die Busse nach El Calafate nur frueh am Morgen ab - also waren wir nun schon wieder haengen geblieben. Das schien ja nie mehr aufzuhoeren. Hector, unser ehemaliger Host, war inzwischen auch wieder in die Berge abgetaucht - also fuegten wir uns dem Schicksal und suchten ein Hostel - besser gesagt Tabea suchte ein Hostel... Da wir noch Zeit hatten, schaute Tabea bei Hectors Eltern vorbei, dort hatten wir naemlich unser Shampoo vergessen... Die haben ganz schoen ueberrascht geschaut, dass sie nur fuer ein Shampoo zurueck gekommen war ;)..

Der Nachmittag und Abend wurden trotzdem noch ganz nett - dank Schmerztabletten und der Hostelgitarre und wunderbarer Aussicht aus dem Hostelfenster... Nur eine Sache war merkwuerdig - Mara bemerkte an ihren Armen jede Menge rote, juckende Stiche... Muecken sind hier in Patagonien selten, also was sollte es sonst sein? Aber erst mal hatten wir andere Sorgen und dieses Problem wurde aufgeschoben...

Natales Dieser sportlichen Herusforderung kam an diesem Tag leider nur Tabea nach Natales ist eine huebsche Stadt zum stranden...

Am naechsten Morgen sassen wir dann im Bus nach El Calafate - wir fielen uns in die Arme, als wir endlich endlich die Grenze ueberquert hatten!

Unseren Host in El Calafate zu finden war nicht einfach. Wir sollten ihn an seiner Arbeitsstelle treffen, die wir nicht finden konnten. Seine Festnetznummern funktionierten nicht, ein Handy hatte er nicht... Wir wurden solange weiter gereicht und rannten kreuz und quer durch die Stadt, bis eine seiner Kolleginnen bei seinem Arbeitsplatz anrief, wo er natuerlich auch nicht mehr war... Kurz darauf kam er uns aber auch schon entgegen und fragte ganz froehlich, ob wir ihn suchen wuerden...  Ja verdammt, und schon seit drei Stunden!! Nun hatten wir ihn ja gluecklicherweise gefunden und lernten auch gleich zwei verrueckte Maedels aus Spanien kennen, die seine Couch bis heute bewohnt hatten.

Ariel war ziemlich typisch argentinisch - wenn nicht heute dann halt morgen... Oder uebermorgen... Entsprechend sah seine Kueche aus! Ausserdem sprach er gerne, bei keinem anderen Couchsurfer haben wir bis jetzt so viel ueber argentinische Gesichte gelernt - und so viel geschwiegen :D. Trotz seiner gewoehnungsbeduerftigen Kueche kochte er sehr leckere "Pasta Rustica" und war auch sonst ein ziemlich unkomplizierter Host. Am ersten Tag in El Calafate war das Wetter leider nicht gut genug, um zum Gletscher zu fahren. Wir verbrachten ihn also im Oertchen - und staunten ueber die gesalzenen Preise - dieser Ort uebertraf alles, was wir bis jetzt gesehen hatten. Durch und durch ein Touristenort. Aber was zu bieten hat er trotzdem: Wir entdeckten ein Naturreservat direkt um die Ecke von Ariels Haus - mit jeder Menge rosa Flamingos! Und das hat er noch nicht mal erwaehnt, auf Nachfrage sagte er, das sei doch nichts besonderes. Aha - fuer uns schon!

Am naechsten Tag gings dann endlich zum Gletscher - con dedo ("mit Daumen"). Schon vom Auto aus sah man die im See schwimmenden Eisbrocken... Und als wir dann um die Ecke bogen, eroeffnete sich ein unglaubliches Bild - Eismassen ueber Eismassen inmitten von gruenen Bergen. Je naeher wir dem Gletscher kamen, desto groesser erhoben sich die Eiswaende und desto lauter hoerte man die abbrechenden Stuecke ins Wasser klatschen... Wir konnten uns nicht losreissen von diesem Naturwunder.

  Krawumms

Irgendwann mussten wir uns aber wieder auf den Rueckweg machen, denn es stand noch der Arztbesuch wegen der komischen "Mueckenstiche" an, die taeglich mehr wurden, obwohl weit und breit keine Muecken zu sehen waren. Obwohl hier erstaunlich wenig Autos fuhren, wurden wir schnell mitgenommen - und zwar hinten auf dem Pick - Up. Wir hatten beste Sicht und uns pfiff der Wind um die Ohren, aber unserem Fahrlehrer erzaehlen wir das besser nicht!

Der Arzt bestaetigte leider unsere schlimmste Befuerchtung - wir hatten uns Bettwanzen im guenstigen Hostel in Punta Arenas eingefangen - grrr, als ob ein kaputter Ruecken nicht reichen wuerde fuer eine Woche... Nach dieser Diagnose sollte der Nerv im Ruecken nicht der einzige eingeklemmte bleiben - jeder einzelne unserer Nerven fuehlte sich nun ueberstrapaziert... Denn wir mussten uns von nun an also BEIDE jeden Abend mit einer graesslich stinkenden Chemieloesung einschmieren, ALLE unsere Sachen waschen lassen und unsere Schlafsaecke mehrmals durch den Trockner jagen, damit die Viecher auch wirklich weg gehen. Und das waehrend der Reise! Wer weiss, vielleicht setzen die Waschsalons der Stadt heimlich Bettwanzen aus, denn mit keinen anderen Kunden wie mit den Befallenen koennen sie so viel Geld verdienen!

Wir beschlossen, das nicht bei unserem Couchsurfer in Angriff zu nehmen (denn ne Waschmaschine hat hier sowieso kaum einer, geschweige denn ein armer Student), sondern im Hostel in El Chalten, unserem naechsten Ziel. Da Maras Ruecken nach vier Tagen ohne Rucksack wieder einigermassen mitspielte, konnten wir jetzt immerhin die touristischen Buspreise sparen. Der Ort, von dem man laut unserem Host am besten aus trampen koennte, war zwar gefuehlte fuenf Kilometer entfernt, erwies sich jedoch als beste Wahl. Wir wurden als erste von drei Tramper-Paerchen mitgenommen, obwohl wir uns ganz brav nach Tramper-Etikette hinten angestellt hatten. Glueck gehabt, denn die beiden anderen hatten schon drei Stunden gewartet, wir wurden nach einer mitgenommen. So waren wir dann ziemlich fix in El Chalten und suchten das Hostel auf, das uns von Ariel empfolen worden war. Die Tuer oeffnete ein grosser Mann mit fettigem langem Haar und Bart, am Boden spielte ein dreckiges Kind und uns wehte eine dermassen starke Marihuana-Wolke entgegen, dass wir uns die Zimmer eigentlich gar nicht mehr ansehen brauchten. Der Besitzer verlangte auch noch einen horrenden Preis ohne Fruehstuck - den wir uns nur so erklaeren konnten, dass darin ein taeglicher Joint enthalten ist. Nach unserem Bettwanzen-Trauma machten wir also auf dem Absatz kehrt und suchten uns ein anderes Hostel fuer den gleichen Preis - wesentlich sauberer und mit dem dringend notwendigen Waesche-Service. Kaum angekommen, rissen wir uns die verwanzten Kleider vom Leib und begannen unsere Chemie-Kur. Aber was tut man, wenn man 10 Minuten nackig und stinkend dieses komische Zeug einwirken lassen muss? Wenn man Mara heisst, funktioniert man die Hosteldusche zum Konzertsaal um - die Akustik war aehnlich gut!

Den ersten Tag waren wir eingesperrt, denn unsere Jacken waren ja noch voller Bettwanzen, und alles ausser dem, was wir am Leibe trugen in der Waesche - die natuerlich mit einigen Stunden Verspaetung erst wieder kam. Besonders Mara tigerte ziemlich rastlos durchs Hostel - so tolle Berge vor der Nase und trotzdem im Haus! Je unruhiger sie wurde, desto ruhiger wurde Tabea, die einen freien Tag ohne Programm sehr genoss. 

Dann endlich die grosse Befreiung - mit wanzenfreien Textilien starteten wir die erste Wanderung. Die Sonne brach durch die Wolken und beleuchtete wunderschoen die herbstlichen Waelder. Der Wanderweg war nicht besonders anstrengend und belohnte einen trotzdem mit wunderbaren Blicken auf die Berge und einen Gletscher. Das letzte Stueck fuehrte auf dem Moraenen-Grat entlang - an Bergbaechen vorbei und durch Calafate-Straeucher ... Der Wind pustete uns fast weg. Unter uns lag der gruenliche Gletschersee mit seinen Eisbloecken darin... Bald summte Mara "Leise weht der Wind" vor sich hin, denn selten passt dieses Lied besser... 

Am Abend wollten wir uns eigentlich mit einem leckeren Essen belohnen, was sich in diesem Hostel aber mehr als schwierig erwies. Es handelte sich um ein sehr grosses Hostel mit mindestens 30 Zimmern a 4 Betten. Fuer alle diese Mensche gibt es in der ca. 12 qm grossen Kueche genau drei Kochtoepfe und zwei Bratpfannen, einen Schwamm, ein Messer und ein Schneidebrett. Alles weitere muss man in der Rezeption erfragen - die aber eigentlich auch nicht viel mehr hat und widerwillig vielleicht noch mal einen Teller herausrueckt. Als dann an diesem Abend zwei Israelis beschlossen, fuer saemtliche ihrer Landesgenossen zu kochen (z.Z waren es 25) spielten wir in der Kueche Menschentetris. Denn nicht nur die beiden Jungs waren dort, auch saemtliches weibliches Begleitpersonal der Gruppe wollte an den Toepfen schnuppern und im Weg stehen... Arrg.

Wir wollten insgesamt fuenf Tage hier bleiben, nach dem zweiten Abend suchten wir uns aber ein anderes Hostel - wesentlich kleiner, aber mit riiiiesiger Kueche - voll ausgestattet, ein Traum! Darueber hinaus war die Wirtin wundervoll, das Internet frei und Handtuecher im Service inbegriffen - warum nicht gleich so?!

Die zweite Wanderung fuehrte zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man fast unsere ganze Wanderroute vom vorigen Tag ueberblicken konnte.

 

Die dritte Wanderung bestritt Mara dann allein, denn Tabeas Briefe wollten endlich mal zu Ende geschrieben werden. Sie war die Anstrengenste - aber sie lohnte sich drei mal. Wunderbare Blicke auf das Bergmassiv des Fitz Roy im strahlenden Sonnenschein (Der Gipfel ist nur 60 Tage im Jahr zu sehen, sonst ist er Wolkenverhangen. Drei davon haben wir direkt erwischt - aber wir hatten so langsam ja auch mal wieder ein bisschen Glueck verdient ). Ohne vom Puma gefressen zu werden, kehrte sie am Abend dann zu einer schon mit dem Essen wartenden Tabea zurueck :).

Laguna Capri

Um 3:40 Uhr in der naechsten Nacht begann dann eine weitere kleine Odyssee - von der wir zur diesem Zeitpunkt aber noch nichts ahnten... 

Eine Pechstraehne und ihre guten Seiten

Donnerstag, 25.04.2013

                                                                            Punta Arenas/Puerto Natales 25.3.-3.4. 

Sehr zeitig kamen wir am Flughafen an - wir wollten ja auf keinen Fall den Flieger verpassen. Das waere aber gar nicht noetig gewesen, denn der Flughafen von Puerto Montt ist wirklich chicitito (winzig). Es gibt genau zwei Fluggesselschaften, die jeweils einen Check-In Schalter haben, ausserdem eine Handgepaeckkontrolle mit einem einzigen Gepaeckband und immerhin fuenf Gates.  Die Gefahr sich zu verlaufen bestand hier wirklich nicht. Wir hatten uns noch einen riesen Kopf um unsere Isomatten und das Zelt aussen am Rucksack gemacht, aber das war gar kein Problem - schliesslich sind wir in Suedamerika und hier wuerde keiner auf die Idee kommen, dass Gepaeckstuecke in bestimmte Normen passen muessen. Entsprechend abenteuerlich war auch das Gepack unserer Mitreisenden.

Das Flugzeug rollte mit einer Verspaetung von einer halben Stunde ans Gate (schien keinen zu stoeren) und als sich dann alle in ihre Sitze gequetscht hatten (wir waren etwas verwoehnt von den bequemen, breiten Sitzen im Bus) gings endlich los. Nach etwa einer halben Stunde servierten die Stewardessen ein einzelnes Bonbon, dann gingen wir schon wieder in den Landeanflug, denn laut Durchsage wurde der Flugplan kurzfristig geaendert, so dass wir nun zwei Zwischenstopps zu erwarten hatten und eine Stunde spaeter ankamen. Wir waren ja nicht im Stress, aber in Deutschland waeren jetzt mindestens drei entruestete Anzugtraeger dem Piloten ins Gesicht gesprungen. Nicht so hier, man nahm die Aenderung gelassen.  Bei der Landung schauten wir aus dem Fenster und sahen nichts... Naja, weite, windgepeitschte Steppe, aber weit und breit kein Baum, geschweige denn ein Haus oder ein Berg. Der Ausspruch von Maras lieben Angehoerigen vor der Abreise kam ihr wieder in den Sinn: "Was willst du denn in Patagonien, da gibts nicht mal Baeume?!". Ein Stueckchen Wahrheit steckt schon in diesem Ausspruch, denn der Grossteil des Landes ist tatsaechlich Steppe. Aber enttaeuschen sollte uns Patagonien trotzdem nicht. 

Nach einem ziemlich reichlichen Flugzeugessen und einem weiteren Zwischenstopp im Nichts landeten wir dann endlich in Punta Arenas. Begruesst wurden wir von leichtem Nieselregen und etwa 13 Grad, was zwar nicht so gemuetlich war wie in Puerto Varas, aber auch nicht wirklich die russisch anmutenden Pelzmuetzen der hiesigen Polizisten rechtfertigte. Der Shuttle in die Stadt war natuerlich unverschaemt teuer, aber was will man machen, ausser dem Shuttle und Taxen faehrt hier nix. 

Unser Couchsurfer erwies sich als aeusserst fuersorglich und hoeflich und hatte uns genaue Anweisungen gegeben, wo wir am besten warten koennten, denn er kaeme erst um neun nach Hause. Er las uns dann schliesslich um Punkt neun bei der angegebenen Cafeteria auf. Sehr zuverlaessig und hochkorrekt dieser Mann. Es stellte sich heraus, dass er Englischlehrer ist. Wir verbrachten einen netten Abend mit Gesang und Gitarrenspiel, dann erklaerte er uns genau, wann er zu Hause sein wuerde und was wir in seiner Stadt alles machen sollten. Ausserdem, dass er jederzeit erreichbar sei, falls wir Fragen haetten usw. Wahrend des naechsten Tages teilte er uns dann per Mail stuendlich die eventuellen Aenderungen in seinem Tagesplan mit, damit war auch ja nicht vor verschlossener Tuer staenden. Wie gesagt - ein aussergewoehnlich fuersorglicher Host. 

Wir hatten einen typisch patagonischenTag erwischt, der Bindfadenregen kam nicht nur von oben sondern auch von der Seite, wenn man aus einer Haeuserschlucht heraustrat, wurde man fast weggepustet und wer versuchte, gegen den Wind anzulaufen, der brauchte die doppelte Zeit. Aber immer wieder lugte die Sonne zwischen den Baeumen hervor und liess die grossen weissen Kolonialhaeuser vor dem schwarzen Himmel unwirklich erstraheln. Wegen des ungemuetlichen Wetters zogen wir es ausnahmsweise mal vor, uns die Museen der Stadt anzugucken - und sehr zu Tabeas entzuecken kann man noch zwei Kolonialhaeuser mit der, nach Tabeas Meinung wunderschoenen, nach Maras Meinung grenzenlos ueberladenen, originalen Einrichtung ansehen. Der beruehmte Friedhof mit seinen Mausoleen durfte auch nicht fehlen, jedoch waren hier das Beste eigentlich die Halbkugel-Baeume...

Huuuhu - Friedhofsgespenst Der taegliche Regenbogen Tabeas Traumschloss

Wir beschlossen am naechsten Tag eine Pinguin-Tour mit zu machen, auch wenn diese leider sehr teuer war, aber wenn man schon mal hier ist... Ohne Tour bekommt man naemlich leider keinen einzigen von den putzigen Voegeln zu sehen, denn sie leben auf ihrer eigenen Insel. Das Geld hat sich aber gelohnt, denn diese Voegel sind einfach zu witzig, wie sie paarweise vor ihren Hoehlen stehen. Zwei Pinguinpaare, die sich gegenueber standen und sich gegenseitig anquakten wirkten sehr menschlich - die Situation erinnerte an einen Nachbarschaftsstreit in der Schrebergartensiedlung. Auf dem Rueckweg bekamen wir eine riesige Seeloewen-Kolonie zu sehen...   Tausende von Tieren, die sich am schmalen Strand fast schon stapelten und ziemlichen Laerm veranstalteten.

Patagonien-Romantik Kuckuck Guten Tag - Sehr erfreut... was machen die denn da? Uuund links zwo drei Tabea mit Fan-Equipment 

Unsere dritte Nacht verbrachten wir bei einem anderen Couchsurfer, weil unser Host keine Zeit mehr hatte. Wir lernten ihn allerdings nur fuenf Minuten lang kennen - schade, denn wir haetten ihn gerne gefragt, warum er so eine Luxusbude bewohnt. Immerhin besass er einen eigenen Couchsurfer-Raum, der ausgestattet war wie ein Hotelzimmer, einen Fake-Kamin und jede Menge Designermoebel.  

In diesem Apartment wohnt eine Person, man sieht allerdings nur zwei von sechs Zimmern...

Am naechsten Tag machten wir uns dann motiviert auf den Weg nach Ushuaia - wir freuten uns schon wahnsinnig, wieder argentinischen Boden zu betreten. Tjaja, daraus wurde erst einmal nichts.

Auf dem Weg verlor Mara ihren Reisepass, was wir natuerlich erst an der Grenze bemerkten. Obwohl der ganze Bus beim Suchen half, andere Fahrgaeste die Faehrgesellschaft anriefen und mit vereinten Kraeften die Grenzbeamten uebrzeugen wollten, sie ohne Pass ins Land zu lassen, wurde unsere Ausreise erst einmal vereitelt. Da half auch die ungeheure Hilfsbereitschaft der Lateinamerikaner nichts mehr... Wobei doch, ein bisschen schon. Denn ein Mitreisender, der aussah wir Jesus und mindestens drei Kreuze um den Hals trug erwies sich als sehr guter Troester und Beruhiger und der Busbegeliter organisierte uns eine Mitfahrgelenheit zurueck nach Punta Arenas, sodass wir zumindest nicht im Nichts von Feuerland uebernachten mussten.

Guanakos auf Feuerland Wir haben sie gleich zwei mal an eienm Tag ueberquert! Da gings uns noch gut!

Die drei aelteren Herrschaften, mit denen wir unterwegs waren, erwiesen sich als ziemlich nett und als wir unsere Reiseplaene verrieten, vermittelten sie uns gleich den Kontakt zu ihrer Tochter, die in Cordoba wohnt.  Weil die Schlange vor der Faehre ellenlang war, hatte Mara genug Zeit, ihren Pass zu suchen, den sie ja entweder auf der Faehrueberfahrt oder irgendwo am Strand verloren haben musste. Auch wenn das Faehrpersonal sehr nett und hilfreich war - Maras Pass konnten sie auch nicht wieder herzaubern und so blieb er verschwunden. Selten auf unserer Reise hab ich mich so einsam und verlassen gefuehlt wie an diesem Abend, als ich auf der anderen Seite der Magellanstrasse stand, vergeblich im Dunkeln den Strand nach meinem Pass absuchte und in der Kaelte auf das Auto mit Tabea und meinen Sachen wartete, das erst einige Faehren spaeter kommen sollte. Ein kleiner Strassenhund und das erste und einzige Strassenschaf, das ich auf unserer Reise gesehen habe und das dem Hund immer treu hinterher trottete leisteten mir die einzige Gesellschaft. Waere die Situation nicht so unschoen gewesen, haette ich diese Begegnung ziemlich lustig gefunden. Als das Auto dann endlich kam, begruben wir unseren ersten heftigen Streit, der sich am Faehranleger einige Stunden vorher abgespielt hatte, denn wir fanden beide, dass diese Situation Zusammenhalt erforderte...

Mitten in der Nacht standen wir also wieder vor der Tuer von unserem Couchsurfer, der uns in dieser Nacht leider nicht beherbergen konnte, aber einen befreundeten Taxifahrer anrief, der uns zu einem guenstigen Hostel brachte... Uns war in diesem Moment alles egal, wir wollten nur ein Dach ueber dem Kopf, das wir dann ja auch fanden...

Auch der Hostelbesitzer erwies sich als sehr hilfsbereit und wir durften sein Handy benutzen um beim Konsulat anzurufen. Den folgenden Tag rannten wir also von geschlossenen Internetshops (wir mussten diese ganzen bloeden Formulare fuer den Ersatzpass ausdrucken) zu Polizeistationen und zur Konsularin, die uns in ihrem Privathaus empfing. Wir hatten ziemliches Glueck, dass sie ueberhaupt da war, denn wir befanden uns Mitten in der Semana Santa, kurz vor Ostern und da laeuft hier gar nichts. Auch dass es hier ueberhaupt ein Konsulat gibt war Glueck, es existiert naemlich erst seit einem Jahr.  Bei den Preisen fuer einen neuen Pass wurde uns schon wieder schlecht - aber was will man machen. Wir beschlossen aber, den Antrag noch nicht abzuschicken, da sowieso noch die Passfotos fehlten. Der einzige Fotograf in Punta Arenas, der biometrische Fotos macht, hatte in der Sermana Santa natuerlich auch geschlossen - na toll. Also mussten wir mindestens bis Montag warten, bis der Antrag rausgehen kann, dann wuerde es noch mindestens drei Tage dauern, bis der Pass fertig waere - und wir hatten erst Donnerstag. Mara fuehlte sich ein bisschen eingesperrt...

Da wir uns aber innerhalb von Chile frei bewegen konnten, beschlossen wir uns den Torres del Paine Nationalpark doch noch anzusehen. Wir setzten saemtliche Computer des Hostels in Gang um noch einen Couchsurfer zu finden, und fanden auch tatsaechlich einen. Denn jetzt musste es schnell gehen. Tabea wollte ihren Geburtstag auf keinen Fall im Torres del Paine verbringen, also mussten wir dann auf jeden Fall wieder zurueck in Punta Arenas sein. Tabeas Geburtstag war am Dienstag. Wir hatten Glueck und fanden Hector, einen Guardaparque (Parkranger) auf Heimurlaub. Bei seiner lieben Familie fanden wir Unterkunft, bekamen superleckeres Essen (Hector kocht fantastisch) und natuerlich Insider-Tipps fuer den Park.

Puerto Natales

Viel zu frueh am naechsten Morgen mussten wir dann aufstehen um den ueberteuerten Bus in den Park zu erwischen. Schon auf der Busfahrt konnte man aus der Ferne die vergletscherten Berge bewundern. Zwei Stunden spaeter zahlten wir dann zaehneknirschend bei einer aeusserst unfreundlichen Tante den ueberteuerten Eintritt um dann ein Video gezeigt zu bekommen, das nur Dinge sagte, die wir sowieso schon wussten. Eine andere unfreundliche Tussi verkaufte uns dann das naechste ueberteuerte Busticket (7 Euro fuer 7 Kilometer), das uns zum Beginn des Wanderwegs bringen sollte.

Der Park ist zugegebenermassen wunderschoen - wenn auch seine Idylle ein wenig durch die schwitzenden Besuchermassen getruebt wird. Einer von diesen schwitzenden Besuchern, ein Deutscher, meinte sich an uns dranhaengen zu muessen. Eigentlich ja kein Problem - nur handelte es sich bei diesem Exemplar um einen Fotografen. Wenn er uns nicht gerade aufforderte das Foto unseres Lebens von einem Farnblatt zu machen, machte er ziemlich eindeutige Andeutungen folgender Art: "Oh, hier koennte sich jetzt so richtig schoen ein Maedel auf den Stamm luemmeln, das wuerden wunderbare Fotos..."

Nach einer Weile waren wir so genervt von unserem unfreiwilligen Anhaengsel, dass wir einen Zahn zulegten und ihn bald hinter uns liessen... Gut so, denn er schaffte es an diesem Tag nicht mehr bis zum Aussichtspunkt.

Wir schon - und der Osterhase auch. Ganz unerwartet fand Tabea ploetzlich ein paar goldene Schoko-Eier und eine kleine Seife in Blumenform (komisch, dass der Osterhase genau weiss, dass Tabea Blumen und sich die Haende mit Seife zu waschen, liebt). 

Nach der Ostereiersuche, einem ausgiebigen Picknick und dem obligatorischen Foto-Shooting machten wir uns auf den Rueckweg. Wir waren so schnell, dass wir noch genug Zeit hatten, die sieben Kilometer, die wir sonst im ueberteuerten Bus haetten fahren muessen, trampen zu koennen... Mit ein paar netten argentinischen Touristen. Wir werfen doch diesem bloeden Busunternehmen nicht unser Geld in den Rachen!

Torres del Paine von weitem      Herbst Und Patagonien hat doch Baeume! Hops Unser Schatten Der Osterhase war daAbend im Torres

 

Ziemlich muede kamen wir wieder in Puerto Natales an - und wurden mit superleckeren hausgemachten Empanadas empfangen... Um den Tisch hatte sich die ganze grosse Familie versammelt - Hectors Schwester mit ihren drei Kindern und ihrem Mann, seine Tante und natuerlich seine Eltern. Alle zusammen machten einen unbeschreiblichen Radau - aber wir fuehlten uns von dieser Familie sofort aufgenommen.

Mara brach am naechsten Morgen ungern wieder nach Punta Arenas auf. Das gemuetliche Puerto Natales und der Nationalpark hatten es ihr angetan. 

Da wir uns ja nun schon auskannten und ein Hostel hatten, hatte Mara genuegend Zeit, die letzten Vorbereitungen fuer Tabeas Geburtstag zu treffen. Am naechsten Morgen wurde Tabea dann mit einem selbstgebackenen Kuchen  mit 20 Kerzen und einem Geburtstagslied ueberrascht... Die Blumen auf dem Fruehstueckstisch waren leider nur gemalt, denn echte findet man hier schwer - Tabea freute sich trotzdem. Zum Fruehstueck gabs Schwarzbrot - was wir uns schon so lange wuenschten. Zur Feier des Tages goennten wir uns mal diesen teuren Genuss, den man lediglich in einem einzigen Supermarkt kaufen kann.  Am Abend gingen wir sehr lecker "freie Gabel" essen (all you can eat) - ebenfalls zur Feier des Tages. Tabea war aeusserst zufrieden mit einem entspannten und genussreichen Geburtstag, um den sie sich im Vorhinein jede Menge Sorgen gemacht hatte - aber sie hat Maras Kreativitaet ein bisschen unterschaetzt. 

Ham

Ein weiteres riesengrosses Geschenk machte uns die Busgesellschaft. Wir hatten, einem letzten Hoffnungsschimmer folgend, ein zweites mal saemtliche Stellen, wo Maras Pass auftauchen koennte, abgeklappert. Beim Busunternehmen hatten wir doch tatsaechlich Glueck - der Mensch hinterm Schalter konnte uns nach einigem Herumtelefonieren die glueckliche Nachricht bringen, dass der Pass aufgetaucht sei und morgen mit dem Bus kommen wuerde. Juhuuuu. Genau eine Stunde, bevor wir den Antrag auf einen neuen Pass abgeschickt haetten - und die horrenden Gebuehren haetten zahlen muessen! Ziemlich froh begannen wir sofort unsere Weiterreise nach El Calafate in Argentinien zu planen - von Feuerland hatten wir erst einmal genug. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Stundenhotels und dem suedlichsten Dorf in Bayern

Sonntag, 21.04.2013

                                                                                    Puerto Montt/Puerto Varas 17.-25.3

Von Castro aus machten wir uns, wie gesagt, frueh morgends auf den Weg, um noch weiter zu kommen in Richtung Sueden. Es sollte nach Puerto Natales gehen, um den beruehmten Torres del Paine - Nationalpark anzuschauen. Aber Pustekuchen: Alle Busse waren ausgebucht - bis zum ersten April! So lange wollten wir nicht warten. Ziemlich frustriert  machten wir es uns auf dem Anleger gemuetlich und Mara zog los, eine Unterkunft zu suchen. Immerhin wollten wir erst einmal ein Dach ueber dem Kopf. Kurz bevor es dunkel wurde, fand sie dann auch schliesslich ein sehr guenstiges und sauber wirkendes Zimmer. Mit Sack und Pack dort angekommen, warf die Wirtin uns bedeutungsvolle Blicke zu und fragte, ob wir ein Doppelbett oder zwei Betten wollten. Wir antworteten, dass das voellig egal sei, woraufhin sie uns ein Zimmer mit Ehebett gab und verschwoererisch zuzwinkerte. Haeh??? Die ewigen Liebesschwuere an der schon halb abgerissenen Tapete und die Preisliste ueber stundenweise Buchungen der Zimmer und   eine Dusche sprachen eine deutliche Sprache. Wir waren in einem Stundenhotel gelandet und die Wirtin hielt uns fuer Lesben. Nicht weiter schlimm, denn die Betten waren sauber und wir hatten eine erstaunlich ruhige Nacht - zur Abwechlung war dieses Haus naemlich mal gut schallisoliert. Zwinkernd So ganz wohl fuehlten wir uns aber trotzdem nicht, denn diese Gegend war etwas komisch. An jeder Ecke Jugendliche, die an einer klaren Fluessigkeit aus einer Platiktuete schnueffelten und einen mit halb verdrehten Augen anschielten, Muell, dunkle Gassen, Fastfood und sehr viel Armut. 

Das Stundehotel

Am naechsten Morgen sah alles schon viel freundlicher aus, aber wir wollten trotzdem nur noch weg. Am Busbahnhof versuchten wir erneut unser Glueck und hofften auf nicht wahrgenommene Buchungen, leider vergeblich. Ziemlich enttaeuscht zogen wir auf den Marktplatz um - zur Krisensitzung. Wir ueberlegten hin und her, tueftelten an unserer Route, aber waren nie so ganz zufrieden. Schliesslich, nach stundenlangen Erkundigungen, entschieden wir uns fuer einen Flug eine Woche spaeter, denn vorher war alles viel zu teuer. Aber hier in Puerto Montt wollten wir auf keinen Fall bleiben, hier waren wir einmal zu oft gestrandet. 

Mit dem Minibus ging es nach Puerto Varas, einer deutschen Kolonie, in der wir die naechste Woche zu verbringen gedachten. Die Minibusfahrt war spannend: Der Busfahrer hatte einen Typen eigends dafuer angestellt, Leute zu rekrutieren. Schon am Busbahnhof ueberhupten die Busfahrer sich gegenseitig und winkten und zwinkerten wie wild. Mindestens zehn Minibusse, alle mit demselben Ziel, machten einen unvorstellbaren Radau. Wir hatten uns schliesslich fuer einen entschieden, der dann noch eine grosse Runde durch die Stadt drehte. An jeder Bushaltestelle sprang der Beifahrer raus und verkuendete lautstark das Ziel des Busses und winkte saemtliche Passanten heran, als wolle er sie zwingen nach Puerto Varas zu fahren. An einer Haltestelle wechselte eine Muenze den Besitzer, ein weiterer Schreier wurde engagiert, der jedoch seine Stimme nicht uebermaessig beanspruchte und nach zwei mal Schreien wieder verschwand. Zwischen dem Schreier und den Fahrgaesten, die mit Teppichrollen und Gartenmoebeln reisten, zwaengten sich Suessigkeiten- und Zeitungsverkaeufer hindurch und versuchten sich ebenfalls lautstark Gehoer zu verschaffen.

Ueberraschenderweise kamen wir aber ohne Gehoersturz an. Wir suchten ein Hostel und waren auch sehr zufrieden mit unserer Wahl - bis man uns eroeffnete, man haette morgen keinen Platz mehr fuer uns. Weil die Osterwoche nahte, begannen wir zu schwitzen, denn dann werden Unterkuenfte knapp. Unser "Emergency-Couch-Request" bei Couchsurfing wurde jedoch erstaunlich schnell beantwortet und wir fanden David, mit dem wir uns gleich am naechsten Tag treffen wollten. 

Gesagt, getan... David kam natuerlich ne halbe Stunde zu spaet (das gilt hier fast noch als ueberpuenktlich) und verfrachtete uns in ein Taxi. Mit dem Taxifahrer schien er sehr gut befreundet - der Gute fuhr fast den ganzen Weg zurueck, weil David vergessen hatte, Zigaretten zu kaufen. 

David erwies sich als ziemlich unkompliziert in seiner Funktion als Host, wenn auch etwas seltsam. Er liess extra fuer uns einen Schluessel nachmachen (das ist hier an jeder Strassenecke fuer 30 Cent innerhalb von einer halben Stunde moeglich) und so bewohnten wir sein Haus fast mehr als er. Wenn er zu Hause war, verkroch er sich ins Bett hinter seinen Laptop mit jeder Menge Bier und schaute einen Film nach dem anderen. Aber zu Hause war er selten, denn er betrieb ein mysterioeses "negocio" (Geschaeft), das er nie naeher erlaeuterte, und arbeitete ausserdem in einem Restaurant. Morgends verkuendete sein Wecker ab neun regelmaessig die Zeit und forderte ihn zum Aufstehen auf, was er aber bis zwoelf nicht tat. Erst dann fiel er aus dem Bett, rief das Taxi an, duschte und verschwand. Sowieso fuhr er staendig mit dem Taxi - mindestens zwei mal am Tag. Unseren Rechungen nach haette sich ein eigenens Auto drei mal rentiert, aber jeder kann ja mit seinem Geld tun und lassen was er will - David faehrt halt Taxi. Wir hatten also das Haus fast den ganzen Tag fuer uns und konnten tun und lassen was wir wollten.  Auf einmal war der Kuehlschrank gut gefuellt, auf dem Tisch standen Blumen und in der Spuele stapelten sich nicht mehr Berge von Geschirr... Ich glaube, wir sind ganz gute Couchsurfer ;).

Da wir nicht Millionen von Pesos fuer Taxis ausgeben wollten, nahmen wir den Bus. Dieser haelt direkt an der Autobahn. Man stellt sich einfach an den Rand (dazu muss man ueber die Leitplanke klettern und einen Graben durchqueren) und streckt die Hand aus, dann haelt er auf dem Randstreifen an. Auf dem Rueckweg haelt er natuerlich auf der anderen Seite der Autobahn - auch hier kann man den genauen Haltewunsch angeben - und dann heisst es die dreispurige Autobahn zu ueberqueren. Laut unserem Host gar kein Problem, eine Autobahn ist hier keinesfalls ein fuer Fussgaenger uneueberwindliches Hindernis, alle gehen darueber - aber wir standen Todesaengste aus. Nach einem Tag fanden wir gluecklicherweise eine Fussgaengerbruecke, die unseren deutschen Vorstellungen von Sicherheit mehr entsprach als der imaginaere Zebrastreifen und fuer die wir auch bereitwillig einen laengeren Fussweg auf uns nahmen. Unser Host waere nie auf die Idee gekommen, die Bruecke zu benutzen - wie auch, er fuhr ja immer Taxi.

Die Woche wurde trotzdem wunderbar entspannt, da wir ja gezwungen waren, hier zu bleiben und nicht immer schon nach zwei Tagen weiterziehen konnten. Das tat mal wieder ganz gut...

Ausblick auf den Osorno am Strand von Puerto Varas Chillen unter Palmen

Wir machten einen Ausflug zu schaeumenden "Wasserspruengen" (das sagen die Chilenen zu kleinen Wasserfaellen) und kletterten im Nationalpark am Vulkan Osorno herum. Der Wanderweg war wieder einmal unbeschreiblich schoen, denn fast die ganze Zeit hatte man einen wunderbaren Blick auf den tuerkisen "Lago Todos los Santos". Der Rueckweg fuerte ein beeindruckendes Flussbett hinunter und dann direkt am Strand entlang. Schon waerend der Busfart machten wir Bekanntschaft mit zwei berliner Studenten, die uns in diesen Tagen staendig ueber den Weg laufen sollten... Auf dem Wanderweg, an den Wasserspruengen, im Bus auf dem Rueckweg, im Supermarkt... Die Welt der Mochileros (Backpacker) ist so klein!

Die Wasserspruenge Tabea hat noch nie Wolken vor nem Berg gesehen... Volcan Osorno

Einen weiteren Ausflug unternahmen wir ins benachbarte Frutillar. Frutillar ist Bayerns suedlichstes Dorf ;), eine deutsche Kolonie, in der es jede Menge Kuchen und ein Museumsdorf, das aussieht wie Cloppenburg in Kleinformat gibt (jede Menge deutsche Haeuser aus der Zeit der grossen Auswanderungswelle Mitte des 19. Jhd.). Eine alte Oma, die in ihrem kleinen Souvenirladen ganz authentisch hintem Spinnrad sass, sprach uns ploetzlich auf Deutsch an. Sie war gebuertige Hamburgerin und in ihrer fruehen Jugend ausgewandert. Waehrend wir durchs Museumsdorf schlenderten, packte uns die Sehnsucht nach dem deutschen Pumpernickel aus Cloppenburg und wir beschlossen, dass Schwarzbrot das erste sein wird, was wir essen, wenn wir wieder zu Hause sind. :)

Frutillar ist beruehmt fuer seine kulturewllen veranstaltungen - jetzt auch fuer seine deutsche Pianistin Schwarzwaldmuehle

Wir erklommen den oertlichen Aussichtspunkt in Puerto Varas und besuchten ein unglaubliches Museum. Das "Museo de Pablo Fierro" hat Pablo selber gebaut und er baut auch immernoch daran herum. Ein einziges kleines Haus, das er von einer Baracke in ein Juwel umfunktioniert hat. Aus der Wand des hellblau gestrichenen Holzauses ragen halbe Autos, in den Boden sind alte Kuechenhexenherdplatten eingelassen, unter denen sich Bonbons verstecken, das Treppengelaender hat eine Kurbel. In einer Leseecke liegen Zeitschriften aus den letzten zwei Jahrhunderten aus, die Fenster sind aus altem Ampelglas... An den Waenden haengen seine eigenen Zeichnungen - jede Menge der typischen Holzhaeuser aber auch herzerweichende Bilder seiner kleinen Tochter auf der Werkbank. Ueberall stehen nutzlose, alte Dinge herum, die in diesem Haus ploetzlich einen ganz neuen Zusammenang bekommen und gar nicht mehr nutzlos wirken. Er selbst wurschtelt zwischen all diesen Dingen herum und trifft Vorbereitungen fuer das Tuermchen, das er als naechstes anbauen moechte. Die Augen strahlen, wenn er von seinen Plaenen erzaehlt und Fotos von den Anfaengen zeigt. Mara hat dieses Museum und seinen Besitzer direkt ins Herz geschlossen - der Blick fuer Details, die Liebe zu alten Dingen in neuem Zusammenhang - sie hat sich sofort selber darin wiedergefunden und wollte das Haus eigentlich gar nicht mehr verlassen. 

Im Internetkaffee waren wir bald Stammgaeste, denn mit dem Blog waren wir (und sind wir auch noch immer) weit hinterher und ausserdem galt es, neue Couchsurfer in Punta Arenas zu finden. Der Besitzer kannte uns nach kurzem und schenkte uns zum Abschied ein Deutsch-Spanisches Woerterbuch - voellig ueberraschend, aber irgendwie war er wohl der Meinung, dass wir damit mehr anfangen koennten als er. Koennen wir tatsaechlich, da Maras schlaues Telefon ja schon vor einer Weile den Geist aufgegeben hat. 

Die ganze Woche hatten wir uns schon Gedanken gemacht, wie wir Ostern verbringen wollen, heimliche Vorbereitungen getroffen, und beschlossen uns am Ostersonntag einmal einen chilenischen Gottesdienst anzuhoeren, was wir zu Hause nie tun wuerden. Aber da die Kirche hier so stark in Kultur und Denken verankert ist, interessierte uns das schon ein wenig. Die Bombe platzte am vermeintlichen Karfreitag, als die anderen Deutschen uns eroeffneten, dass Ostern erst ne Woche spaeter sei! Wir stellten wieder einmal fest, wie losgeloest von der Welt wir doch sind, wir hatten einfach einer anderen Rucksackreisenden geglaubt, die sagte am 24.3. sei Ostern... Manno! Wir hatten alles so schoen geplant... Ein bisschen lustig waere es schon gewesen, haetten wir Ostern eine Woche frueher gefeiert. Wir gingen also statt zum Ostergottesdient am Palmsonntag hin. Ein bisschen merkwuerding war es schon: hunderte von Menschen mit Gruenzeug wedelnd und sich nach dem Weihwasser, das der Padre mit seinem eigenen Wedel verspritzte, reckend und draengelnd. Von andaechtiger Stille war hier wenig zu spueren, man hatte eher den Eindruck es gibt was gratis...

Am naechsten Morgen machten wir uns dann in aller Fruehe auf zur Autobahn, von wo wir dann den Bus in Richtung Flughafen nahmen... 

Polizisten, Touristenfresser und eine wunderschoene Insel

Freitag, 19.04.2013

                                                                                                                     Chiloe 13.-17.3

Von Lican Ray wieder in Villarica angekommen, mussten wir feststellen, dass der naechste und einzige Bus erst fuenf Stunden spaeter faehrt. Die Zeit am Busbahnhof vertrieben wir uns mit einer unserer Lieblingsbeschaftigungen - Essen ;). Viele Stunden spaeter kamen wir dann endlich in Puerto Montt an, von wo wir eigentlich auf die Insel Chiloé weiter wollten - aber der letzte Bus war natuerlich genau ein halbe Stunde zuvor gefahren. Gluecklicherweise stehen am Busbahnhof immer jede Menge Inhaber von sogenannten "Hospedajes", familiaeren und meist sehr einfachen Unterkuenften, die sich im Preis gegenseitig unterbieten. Also fanden wir schnell ein guenstiges und sauberes Bett.

Am naechsten Morgen ging es so frueh wie moeglich weiter, denn Puerto Montt ist keine sympathische Stadt. Auf der Faehrueberfahrt begleiteten uns Seeloewen und Kormorane und am  Anleger konnte man wunderschoene knallrote Seesterne beobachten - das ging ja schon mal gut los. Von Ancud aus wollten wir den Bus nach Chepu nehmen, aber dieser faehrt leider auch nur jeden zweiten Tag, dann allerdings gleich zwei mal... Da wir mal wieder ein paar Stunden warten mussten (immerhin keine ganze Nacht) machten wir es uns auf dem Marktplatz bequem und nahmen, begleitet von wunderschoener argentinischer Folklore unser Mittagessen aus unserer mobilen Kueche ein (sie erweitert sich staendig!). 

Endlich in Chepu angekommen, waren die Cabañas unserer Wahl natuerlich belegt... Wir wurden ein paar Meter weiter geschickt und fanden auch tatsaechlich eine Unterkunft beim Abuelo, Grossvater (so nennt er sich selbst). Ein uriges Huettchen, dass nach Aepfeln roch. Zwei winzige Zimmer, in denen wir nur an einer Stelle aufrecht stehen konnten, eine kalte Aussendusche, deren Duschkopf noch niedriger angebracht war als die Zimmerdecke (dementsprechende Verrenkungen waren beim Duschen notwendig) und jeder Menge Wolldecken. "El Abuelo" ist genau so urig wie seine Cabañas und mindestens achtzig Jahre alt. Er passt genau in seine Huetten, ist also in etwa zwei Koepfe kleiner als wir. Tagsueber wurschtelte er, vor sich hin pfeiffend, auf seinem liebervoll herrgerichteten Gelaende herum. Der Uebernachtungspreis war aehnlich alt wie der Inhabe, also ueberlegten wir nicht lange.

Chiloe von der Faehre aus  100m von der Huette entfernt...

Wir fragten ihn nach einem Laden und er beschrieb auch bereitwillig den Weg. Weniger als einen Kilometer sei der entfernt, nicht zu verfehlen. Wir machten uns also auf den Weg und wunderten uns schon ein bisschen weit und breit keinen Laden zu sehen  und genau so wenig Menschen. Vorbei an einer huebschen Holzkapelle fuehrte der Weg durch ein fast ausgestorbenes Dorf, mit einigen wenigen Haeusern rechts und links. Nach ca. 1,5 Kilometern trafen wir die ersten Menschen, die wir auch gleich nach dem Laden fragten. Der sei noch ein ganzes Stueck entfernt lautete die Antwort. Na gut, also weiter. Irgendwann kamen wir bei einer kleinen Huette an, an der ein heruntergefallenes Schild lehnte, das Lebensmittel anpries. Wir klopften, denn die Huette war verschlossen.... Nichts regte sich. Wir riefen... Nichts regte sich. Wir gingen zum benachbarten Haus und klopften dort... Nichts regte sich. Das kann ja kein Laden sein, dachten wir uns, und gingen weiter. Ein Weile spaeter trafen wir dann tatsaechlich eine Frau, die uns hausgemachtes Brot aus ihrer runden Kueche mit Feuerstelle in der Mitte verkaufte. Immerhin schon mal etwas, wenn auch der Preis ziemlich hoch war. Auf dem Rueckweg probierten wir es erneut beim Laden, denn uns war ein sehr wortkarger aelterer Herr mit Einkaufstuete entgegen gekommen, der bestaetigt hatte, dass es sich bei dem ersten Laden tatsaechlich um den Gesuchten handelte. Maria, die Inhaberin zeigte sich beim zweiten Mal auch schon nach kurzem Rufen. Sie verkaufte uns Mayonese, Tomatensosse und Nudeln, die zwei Gurken, die wir wollten, verdoppelte sie auf vier - natuerlich zum gleichen Preis und auch den Preis fuer Mayo und Tomatensosse setzte sie ganz spontan herunter. Auf die Frage hin, ob sie Milch habe, nahm sie uns mit aufs Feld, wo uns gerade ihre Mutter entgegen kam, in der Hand frisch gemolkene, noch schaeumende Kuhmilch. Sie fuellte einen Liter ab, den sie uns schenkte. Zum Abschied versprach sie uns noch, uns Brot zu backen, dss wir morgen abholen koennten und fragte sogar noch, welche Zutaten wir bevorzugen wuerden. Gluecklich ueber so viel Freundlichkeit kehrten wir von unserem Einkaufsbummel zurueck. 

Der naechste Tag sollte allerdings dieses Erlebnis ueberschatten. Wir hatten eine Bootstour zur anderen Seite des Flusses vereinbart, fuer 5 000 Pesos (ca. 8 Euro), von wo aus man zu einer Pinguin-Kolonie laufen koennen sollte. Beim Einsteigen ins Boot sagte die Vermittlerin, wir sollten beim Fahrer zahlen. Bei der Ankunft dann die Ueberraschung: Der Fahrer verlangte 30 000, also 50 Euro. Hatten wir nicht dabei und da es ja ausserdem anders vereinbart war, sahen wir es natuerlich auch nicht ein. Ziemlich ueberrumpelt gaben wir ihm erstmal die 5 000 Pesos und vertroesteten ihn auf spaeter. 

Wir genossen einen wunderbaren Tag, auch wenn uns die ganze Zeit diese dumme Geldgeschichte nicht so richtig aus dem Kopf gehen wollte. Der Wanderweg fuehrte durch Sandduenen und atemberaubend schoene menschenleere Straende. Ein paar Kuehe (ja, wirklich, richtige Milchkuehe) standen am Wasserrand und frassen Algen. Ein Reiter mit vollbepacktem Pferd und wettergegerbter Haut kam uns entgegen und gruesste knapp. Im Wald sprang uns ein Pudu ueber den Weg. Ploetzlich eroeffnete sich der Blick aufs schaeumende Meer von einer steilen Klippe herunter, kurz darauf standen wir am naechsten Sandstrand. 

wie im Paradies...   unsere Titanic ;-)

 

Bei der Pinguin-Kolonie angekommen, fragten wir die Guardaparkes (sowas wie Ranger) ob man hinueber kaeme. Keine Chance, dass Wasser sei zu hoch. Wir muessten bis halb fuenf warten, erst dann koenne man einigermassen sicher die vorgelagerte Insel zu Fuss erreichen. Unser Boot hatten wir auf fuenf bestellt, der Weg zurueck dauerte zwei Stunden, keine Chance also. Die dumme Tante, die uns die Tour verkauft hatte, hatte gesagt, es sei zu keiner Zeit ein Problem, zur Kolonie zu kommen. Ohne Pinguine gesehen zu haben machten wir uns also kurze Zeit spaeter auf den Rueckweg. Mit jedem Schritt, den wir dem Boot naeher kamen, wurde die Angst groesser, aber wir waren uns auch immer sicherer, dass wir nicht zahlen wuerden.

Mit aeusserst grimmigem Gesicht empfing uns die Vermittlerin dieses mal hoechst persoenlich. Schliesslich konnten wir sie dazu bewegen, uns zumindest zurueckzubringen. Sicher wieder in Chepu angekommen, eroeffneten wir, dass wir nicht mehr als den vereinbarten Preis zahlen wuerden. Die Tante wurde sofort ausfaellig und drohte mit der Polizei, fragte wo wir wohnen und so weiter. Wir sagten nichts und gingen in die andere Richtung um unser am Vortag bestelltes Brot abzuholen.

Als wir zurueck zu unserer Unterkunft kamen, dann die unschoene Ueberraschung: Madame Touristenfresserin nicht allein, sondern in Begleitung zweier Polizisten.

Wir erklaerten unsere Version der Geschichte und die Polizisten waren zwar sehr verstaendig, draengten aber auf eine Einigung. Etwas ueberfordert mit der ganzen Situation probierten wir nach Deutschland zu telefonieren - ging nicht, dieses Kaff hat natuerlich kein Netz! Also mussten wir die Entscheidung selber faellen, ob wir es auf eine Anzeige ankommen lassen wollten. In Deutschland haetten wir das getan, weil die gute Frau ja keinerlei Beweise hatte - wie auch, da sie ihre Geschichte ja erlogen war!  Aber in Chile ??? Wir einigten uns schliesslich unter Traenen von Maras Seite und Gezeter von der dummen Gurke auf einen Kompromiss und zahlten weitere 10 000 Pesos, also insgesamt in etwa 25 Euro, was wir uns schriftlich geben liessen! Dann zogen die Polizisten wieder ab, genauso wie wir mit dem naechsten Bus, der aber leider erst am naechsten Morgen fuhr. "El Abuelo" zeigte sich gluecklicherweise verstaendnisvoll und auch unser Nachbar fand ein paar troestenden Worte...

Oooh man, immernoch wird mir ganz anders wenn ich darueber schreibe! Aber wer ausser uns hat schon die allererste Begegnung mit der Polizei im Leben gleich auf einer Fremdsprache (Englisch konnten die natuerlich auch nicht!) ?

Im Bus am anderen Morgen trafen wir einen anderen Anbieter der Bootstouren, der uns bestaetigte, dass die Frau einen ziemlichen schlechten Ruf im Dorf habe. Ausserdem schenkte er uns Schokolade und half beim Gepaeck schleppen, sozusagen als kleine Entschuldigung fuer seine "Kollegin".

Wir nahmen mal wieder eine Mahlzeit auf der Plaza ein und setzten uns dann in den Bus nach Castro, denn wir wollten auf dieser Insel auch noch schoenes erleben. 

In Castro, der Inselhauptstadt, fanden wir recht schnell eine nette Unterkunft bei einer Hostelwirtin, die kein Wort Englisch sprach und so aeusserst gerne auf unsere Uebersetzerdienste zurueck griff. Wir schauten uns die Stadt mit seiner knallgelb und lila angemalten Kirche und den bunten Pfahlbauten an, suchten (zum ersten Mal auf dieser Reise!!!) eine Waescherei auf und erholten uns von dem Erlebnis der letzten Tage.

Ja, das ist wirklich eine Kirche!  von innen  Ooooh!

Aber schon nach zwei Naechten machten wir uns zeitig wieder auf den Weg, denn so ganz sympathisch wurde uns diese Insel nicht mehr, auch wenn sie eigentlich wunderschoen ist. 

Kontakte muss man haben...

Samstag, 13.04.2013

                                                                                                   Villarica/Lican Ray 8.-12.3.

Auf dem Marktplatz in Curacautin kamen wir, waehrend wir unseren Hunger aus unserer mobilen Kueche stillten, zu dem Schluss, dass Lican Ray unser naechstes Ziel sein sollte. Lican Ray ist ein Mini-Dorf in der Naehe von Villarica am See, und die im Reisefuehrer beschriebenen Sonnenuntergaenge und schwarzen Straende weckten unsere Neugierde. Wir nahmen also den Bus zurueck nach Temuco, von wo es dann nach Villarica weiter ging. Dort kamen wir leider (oder wie sich spaeter herausstellte zu unserem Glueck) nach Abfahrt des letzten Busses nach Lican Ray an. Im naechtlichen Villarica machten wir uns also auf die Suche nach einem Hostel - mit Sack und Pack... Ein bisschen Unwohl war uns doch, denn man hoert ja immer wieder Geschichten, dass gerade voll beladene Reisende gerne beklaut werden. Nach geraumer Zeit fanden wir aber ein sehr huebsches Hostel, "La Torre Suiza", der Schweizer Turm. Eine wunderbare Unterkunft mit lecker Fruehstueck. Am naechsten Morgen wollten wir, da wir ja schon mal hier waren, natuerlich auch etwas von der Stadt sehen. Im Regen sah sie aber ziemlich trist aus, auch der Strand aus Gras direkt an der Strasse war nicht sonderlich ansprechend...

Der

"El Torre Suiza" war unser Glueck, denn als wir dem Besitzer am naechsten Morgen mitteilten, wo die Reise hingehen sollte, erzaehlte er, dass er genau dort her kaeme, aus Lican Ray. Sein Bruder koenne uns vom Busbahnhof abholen und zu guenstigen Cabañas bringen... (Cabañas sind Ferinehaeuser). Das klang doch gut !

Wir machten uns also gegen Mittag in dem ueberfuellten Minibus, in dem ausser uns nur Einheimische sassen, die auch alle froehlich miteinander quatschten (auch vom einen Ende des Busses zum anderen, dementsprechend war die Lautstaerke recht hoch) auf den Weg ins kleine Doerfchen. Wie versprochen tauchte auf Anruf Danilo auf - schulterlange schwarze Haare, keine 1,70 m gross, Outdoor-Kleidung, Amulett um den Hals. Der typische moderne Indio (es stellte sich allerdings spaeter heraus, dass er damit nur sehr wenig am Hut hatte :D ). Er verlud unseren Kram (wir sind schliesslich schwache Frauen und er der starke Mann, auch wenn er nen Kopf kleiner ist als wir) und los gings. Es folgte eine Sightseeing-Tour durchs kleine Dorf, dann brachte er uns zu den Cabañas seiner Familie. Sechs Betten, vier Zimmer, zwei Baeder und ne grosse Kueche nur fuer uns.  Als wir nach dem Weg zum Supermarkt fragten, sprang er wieder ins Auto und brachte uns hin... Was ein Service...

Am naechsten Tag bot er uns an, uns auf eine Kajak-Tour mitzunehmen - ganz umsonst. Wir verabredeten uns fuer den naechsten Tag, und beschlossen, hier noch einen Tag laenger als geplant zu bleiben. Diesen Tag verbrachten wir erst einmal am sonnigen schwarzen Strand, schlenderten durch die Ortschaft, wuschen ein bisschen Waesche und kochten lecker. 

Am naechsten Tag stand dann Danilo mit seinem Freund Osvaldo vor unserer Tuer - auf dem Pick-Up die zwei Kajaks mehr oder weniger professionell befestigt. Wir fuhren die paar hundert Meter zum Strand - dass wir mit anfassten, als die Kajaks abgeladen wurden war nicht vorgesehen, aber noetig :D. Uns wurde natuerlich ins Kajak geholfen, was zur Folge hatte, dass die Jungs natuerlich nicht trocken ins Kajak kamen und sich ziemlich unelegant abmuehen mussten, waehrend wir schon munter auf dem See umherpaddelten... Als dann alle mehr oder weniger nass auf ihrem Popo sassen, gings los  - um die Halbinsel herum - vorbei an wunderschoenen, romantischen Straenden - kleine einsame Oasen inmitten vom satten gruen des Kieferwaldes und blauen Wasser des Sees. Am grossen Strand angekommen, sprang Danilo ins Wasser - und jetzt sah man sehr gut, dass er hier aufgewachsen ist, denn er bewegte sich im Wasser wie ein Fisch und kletterte auf die hoechsten Klippen, von wo er waghalsige Spruenge vollfuerte, wahrend wir uns am Strand erholten und Osvaldos Lebensgeschichte hoerten, der in der Atacama aufgewachsen ist und (vermutlich deswegen) nicht schwimmen kann.

Es folgte die zweite Etappe, um zwei Inseln herum, die man leider nicht betreten darf, weil irgendwelche Millionaere meinten, eine Privat-Insel zu brauchen. Auf dem Rueckweg legten wir an einem der romatischen Straende noch ein Pause ein, und obwohl es ziemlich kalt war, sprang Mara nun auch noch ins wunderschoene, klare Wasser des Sees, wenn auch die Klippe ihrer Wahl nicht ganz so hoch ausfiel. Wieder am Strand angekommen, freundete Danilo sich mit ein paar alten Damen an (die Jugend hier ist sehr respektvoll gegenueber der aelteren Generation) und eine der Damen brachten wir daraufhin nach hause, weil sie mit ihrem Stock nicht mehr so weit laufen konnte (wieder einmal waren wir fasziniert von der suedamerikanischen Hilfsbereitschaft).

Waehrend der Tour hatten wir erwaehnt, dass uns die beruehmten Sonnenuntergaenge hierher gelockt hatten - und nach der Tour hatte Danilo ploetzlich eine geheimnisvolle Idee.  Er wollte uns noch ein paar weitere Orte zeigen. Kaum waren wir trocken angezogen, packten uns die Jungs wieder ins Auto und fuhren zum erstarrten Lavafluss - eine irre Landschaft aus schwarzem Bimsstein. Osvaldo bekam unsere Kamera in die Haende - und nachher hatten wir ploetzlich hunderte von Fotos von uns auf den Steinen... Osvaldo schien grossen Spass daran zu haben, uns zu fotografieren. Nach kurzer Zeit draengte Danilo zum Aufbruch, denn die Sonne drohte ohne uns unterzugehen... Am naechsten Strand machten wir halt und positionierten uns so, dass wir beste Sicht hatten. Als sich die Sonne dann schliesslich mit einem wunderschoenen Farbenspiel verabschiedet hatte, ging es weiter - mit dem Auto in den naechsten Ort, wo wir vor dem Schild "Kuchenes" hielten und die Jungs einen kauften. Man zeigte uns noch den hiesigen Strand, wobei wir fast mit dem Auto zwischen den engstehenden Baeumen haengen blieben und Danilo seine ganze Kunst im Rangieren beweisen musste :).

Lava Ach, wie romantisch :P

Wieder zu hause wurde der Kuchen in unserer Kueche verspeist und wir verbrachten einen ziemlich netten letzten Abend mit den beiden Jungs.

Am naechsten Morgen wurde mal wieder der Rucksack gepackt, geputzt und dann gings auch schon wieder auf die Strasse zurueck. Als wir um halb zwoelf zum Zahlen kamen, fiel Danilo etwas ueberrrascht aus dem Bett... Na gut, wir hatten unsere Abfahrt fuer zwoelf angekuendigt, aber waren schon etwas frueher fertig geworden... Er haette um halb eins mit uns gerechnet, sagte er... Und schon wieder hatten wir ein deutsches Klischee erfuellt ;).  Obwohl wir ihn etwas unsanft aus dem Bett geworfen hatten, brachte er uns zum Busbahnhof und hiefte ein letztes Mal unsere Rucksaecke in den Bus...

Gut gelaunt und der Familie Escalona dankbar fuer diese wundervollen Tage, kehrten wir wieder auf die Strasse zurueck.

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